Der Verein

Als musikalisches Genre und technisches Medium sind Jazz- und Radio-Entwicklungen Phänomene des 20. Jahrhunderts. Schon früh findet der Jazz im Radio eine ideale Verbreitungsform. Umgekehrt gibt das Radio dem Jazz Impulse für wegweisende Aufnahmen, innovative Soundgestaltungen und ungewöhnliche Produktionsformen.

Besonders in Deutschland hat das Radio die Wahrnehmung des Jazz geprägt. Heute bietet das öffentlich-rechtliche Rundfunksystem mit seinen Ressourcen und Qualitätsanforderungen die Möglichkeit, das Gedächtnis des Jazz zu bewahren und seine Gegenwart auf hohem Niveau zu reflektieren. Der Jazz und die improvisierte Musik zeigen im Rundfunk ein vielschichtiges Bild: Sendungen über historische Stile oder aktuelle Improvisationskonzepte, Mitschnitte von Musikerinnen und Musikern einer bestimmten „Region“, Konzertveranstaltungen mit internationalen Gruppen und eigenen Festivals. Geprägt wird diese Vielfalt vor allem durch die perspektivischen Arbeiten der öffentlich-rechtlichen Rundfunkstationen für diese Szene. Ob Radioübertragung, Musikproduktion oder kulturpolitische Positionierung, die Fülle der Aufgaben verdeutlicht ein komplexes System innerhalb der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, das bereits in der Nachkriegszeit entstanden und mit seinen vernetzten Strukturen in den regionalen Jazzlandschaften Deutschlands historisch gewachsen ist. Seit den Anfängen des föderalen Rundfunksystems begegnen wir Jazz-Moderatoren und – Autoren, die durch ihre Radio-Tätigkeit das Jazzleben in West- und Ostdeutschland geprägt haben.

Die Arbeitsgemeinschaft „Radio Jazz Research“

Ein sich schnell erweiternder Diskurs, der über musikjournalistische Fragestellungen hinausgeht, hat die Anzahl der Mitglieder dieser Arbeitsgemeinschaft seit der Gründung im Jahre 2006 rasch wachsen lassen. Musikjournalisten, Musikwissenschaftler, Programmgestalter von Jazzclubs und Labels, Spielstätten für improvisierte Musik sowie Festivals behandeln verschiedene Themen des Jazz und der Jazzrezeption. Dabei möchte „Radio Jazz Research“ die Schulung von jungen Autorinnen und Autoren im medialen Kontext öffentlich-rechtlicher Jazzsendungen vorantreiben und lädt sie gezielt zu den Tagungen ein. Gemeinsam möchten wir den Jazz-Diskurs in Deutschland begleiten, aufgreifen und verstärken.

„Radio Jazz Research“ strebt zwei Zeile an. Einerseits soll im freien Meinungs-, Informations- und Wissensaustausch der Mitglieder die Erforschung des Jazz und insbesondere seine Präsentation im Radio ein thematischer Schwerpunkt sein. Andererseits sollen die Arbeitsergenisse helfen, u.a. die Kompetenz von Programmmachern und Radiojournalisten zu vertiefen. Zudem ist die Qualität der Berichterstattung ein Ansatzpunkt, das Ansehen des Jazz in der Öffentlichkeit insgesamt zu fördern.

Das Innovative und bislang Singuläre des Vereinskonzepts von „Radio Jazz Research“ besteht darin, die Entwicklungen der deutschen und auch europäischen Jazzszenen multiperspektivisch in den Blick zu nehmen: die dynamische Gesamtheit der Organisationsformen jazzmusikalischer Produktion, Distribution und Rezeption. Nur so ist eine effektive, überzeugende und nachhaltige Öffentlichkeitsarbeit für den Jazz denkbar. Diesem multipolaren Konzept trägt die angestrebte Vielfalt der im Verein vertretenen Berufsfelder und die damit verbundene Skala an Expertise Rechnung.

Die Ziele und wichtigsten Aufgaben von „Radio Jazz Research“

  • Der musikhistorischen und musiksoziologischen Erforschung des Jazz in Deutschland Impulse geben und entsprechende Untersuchungsergebnisse verbreiten;
  • Anvisiert ist eine enge Kooperation mit wissenschaftlichen Forschungsprojekten zur Jazzgeschichte, für die sich „Radio Jazz Research“ als kompetentes Diskussionsforum anbietet;
  • Den musikjournalistischen, wissenschaftlichen und künstlerischen Nachwuchs fördern;
  • Lobbyarbeit bei Politik und Wirtschaft betreiben.

In regelmäßiger Folge und an wechselnden Orten veranstaltet der Verein Arbeitstagungen mit internen und/oder auswärtigen Referenten, bei denen die theoretische Auseinandersetzung mit dem Jazz, sein Status in der Öffentlichkeit und seine Darstellung in den Medien vertiefend diskutiert werden.

Internationalität

Der Jazz ist ein musikalisches Produkt des Zusammenstoßes verschiedener Kulturen. Als eine ursprünglich amerikanische Musikform hat er schon früh Grenzen gesprengt und sich zu einer internationalen Musiksprache entwickelt, die überall auf der Welt auf höchstem Niveau weiter entwickelt und erforscht wird. Schon deshalb treibt der Verein die Vernetzung von jazzbezogener Expertise auch auf internationaler Ebene voran. Regelmäßige Kontakte bestehen gegenwärtig zu Partnern, Institutionen und Musikern in Österreich, den Niederlanden, England, Luxemburg und der Schweiz.

Arbeitstagungen und Projekte

Herzstück der gegenwärtigen Arbeit von „Radio Jazz Research“ ist die Organisation von zwei bis drei Arbeitstagungen pro Jahr, um einen engen Austausch zwischen den Mitgliedern anzuregen und der Dynamik der Kulturszene Rechnung zu tragen. Einige dieser Tagungen hatten die Form von Exkursionen, auf denen die Mitglieder die Möglichkeit nutzten, die jazzmusikalischen Landschaften einzelner europäischer Länder zu erkunden und den Verein international zu vernetzen.