Stellenausschreibung

Projektmananager*in für das Künstler*innen-
Förderprogramm „NICA artist development“


Mit Förderung der Landesregierung NRW führen wir seit 2019 ein Exzellenzprogramm für
Musiker*innen aus Nordrhein-Westfalen durch. „NICA artist development“ bietet
herausragenden Musiker*innen eine Plattform zur künstlerischen Profilierung und
Professionalisierung ihrer Karriere im Bereich des Jazz und der Aktuellen Musik.
Das auf maximal dreijährige Teilnahme angelegte Programm berät und unterstützt die
Künstler*innen in der kritischen Phase nach der Ausbildung und in der (Weiter-)Ent-
wicklung einer nachhaltigen, internationalen Laufbahn. Im Zentrum steht die Förderung
von Auftrittsmöglichkeiten, Netzwerkbildung und künstlerischer Entwicklung.
Weitere Informationen über die zurzeit 10 NICA artists, das Programm und seine Partner
finden sich auf unserer Website: https://nica-artistdevelopment.de

Für die Durchführung dieses Projekts suchen wir zum 01. April 2022 oder früher eine*n
verantwortliche*n Projektmanager*in.

Die Voraussetzungen sind
– ein abgeschlossenes Hochschulstudium im künstlerischen Bereich, oder/und
– eine vergleichbare in der Praxis erworbene Qualifikation,
– mehrjährige berufliche Erfahrung im Bereich des Jazz und der Aktuellen Musik,
– ausgeprägte Kenntnisse der relevanten Auftrittsorte (Spielstätten und Festivals) in
Europa,
– Zugriff auf ein professionelles Netzwerk europäischer Akteure in diesem Musikbereich,
– Erfahrung in Projektmanagement und -controlling sowie im Umgang mit öffentlichen
Mitteln
– die Fähigkeit zu überzeugen, zu vermitteln und zu vernetzen.

Wir bieten eine Vollzeitstelle in Anlehnung an TV-L im Europäischen Zentrum für Jazz und
Aktuelle Musik im Stadtgarten Köln; Teilzeit ist nach Absprache möglich.

Wir freuen uns auf Ihre Bewerbung! Diese bitte mit aussagefähigen Unterlagen sowie
Nennung Ihres frühestmöglichen Einstiegstermins ausschließlich elektronisch (bitte in einer
PDF mit einer maximalen Größe von 5 MB) an nica@stadtgarten.de

Bewerbungsfrist: 30. Januar 2022

Die Bewerbungsgespräche werden in der 5. und 6. KW 2022 stattfinden.
Für weitere Informationen wenden Sie sich gerne an:
Kornelia Vossebein: 0221-952994-32 / Kornelia.vossebein@stadtgarten.de

Hinweis zum Datenschutz
Mit Ihrer Bewerbung erklären Sie sich einverstanden, dass Ihre personenbezogenen Daten vorübergehend
gespeichert und zur Abwicklung des Bewerbungs- und ggf. eines Einstellungsverfahrens gespeichert werden. Wir
behandeln diese Daten mit größter Sorgfalt nach den gesetzlichen Bestimmungen zum Datenschutz.



Job Offer 7 January 2022

Project manager for ‘NICA artist development’ programme


Since 2019, we have been running an excellence programme for musicians from North
Rhine-Westphalia with support of the NRW state government. ‘NICA artist development’
offers outstanding musicians a platform for artistic profiling and professionalisation of their
careers within the field of jazz and contemporary music. The programme, which is
designed for a maximum of three years› participation, provides advice and support for
artists during that critical phase after completion of their training in order to (further)
develop their sustainable, international careers. The programme focusses on the promotion
of performance opportunities, networking, and artistic development.
For more information on the current 10 NICA artists, the programme, and its partners,
please visit our website https://nica-artistdevelopment.de/en.

We are looking for a chief project manager for the continued implementation of this project,
starting 1 April 2022.

You need
– a university degree in the artistic field, and/or
– a comparable qualification acquired in practice;
– several years of professional experience in the field of jazz and contemporary music;
– in-depth knowledge of the relevant performance venues (and festivals) in Europe;
– access to a professional network of European stakeholders in this field of music;
– experience in project management and controlling as well as dealing with public funds;
– the ability to convince, to communicate and to network.

We offer a full-time position in accordance with the German collective labour contract TV-L
at the European Centre for Jazz and Contemporary Music based in Stadtgarten Cologne;
part-time is possible upon agreement.

We look forward to your application! Please send your application and relevant documents
as well as an indication of your earliest possible starting date by email only to
nica@stadtgarten.de (PDF file with max. 5 MB).

Application deadline: 30 January 2022

Interviews will be scheduled in the 5th and 6th calender week of 2022.
For further information, please contact:
Kornelia Vossebein: +49 (0)221-95299432 or Kornelia.vossebein@stadtgarten.de.


Note: Privacy Policy
By submitting your application, you agree that the personal information provided may be temporarily
stored and used to process this application and, if applicable, for the recruitment procedure. We treat
this information with the utmost care in accordance with the statutory privacy policy regulations.

42. Arbeitstagung in Graz | Sozialgeschichte im Jazz – In Erinnerung an den Musiker und Musikwissenschaftler Ekkehard Jost (1938-2017)

Campus der Kunstuniversität Graz | Foto: Wolfgang Hummer

Graz, 09. – 11. Juni 2022

In Zusammenarbeit mit dem Institut für Jazzforschung an der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz.
Moderation: Michael Rüsenberg

Für die 42. RJR-Tagung: Sozialgeschichte im Jazz – In Erinnerung an den Musiker und Musikwissenschaftler Ekkehard Jost (1938-2017) hat unser Kollege Constantin Sieg das beigefügte Interview bereitgestellt. Dieses Jost-Interview fand am 14.08.2011 (22-24.00 Uhr) in der wöchentlichen Sendung „Jazz-Zeit“ statt.
https://drive.google.com/file/d/1Mjf119s0E_fCtqHdumj-kjnGwlUbyWH6/view?usp=sharing

Als in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts die Fundamente für Jazzforschung auch im deutschsprachigen Raum gelegt wurden, kam ein Grundstein in Graz, wo 1965 eines der ersten Institute in diesem Fach gegründet wurde, zu liegen und ein zweiter in Gießen, wo Ekkehard Jost (1938-2017) im Jahr 1973 zum Professor berufen wurde. Jost hatte im gleichen Jahr mit seiner Habilitationsschrift, der weltweit ersten musikwissenschaftlichen Untersuchung des „Free Jazz“, die bis dato vorherrschende musikwissenschaftliche Analyse durch sozialgeschichtliche Argumente erweitert und mit seinem Werkzeugkasten, in dem soziologische und historische Blickwinkel ebenso selbstverständlich enthalten waren wie psychologische oder physikalische, einem neuen, interdisziplinär geprägten Konzept der Musikwissenschaft jenseits des klassischen Kanons zum Durchbruch verholfen.

Bei allem Fortschritt, bei aller thematischen und methodischen Ausdifferenzierung, die das Fachgebiet Jazzforschung seither begleitet, ist Jost dem Institut seiner Grazer Kollegen bis an sein Lebensende verbunden geblieben, so verbunden, dass er bestimmte, dass sein musikwissenschaftlicher Nachlass an der Kunstuniversität Graz aufbereitet und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden soll. Die Feier zur offiziellen Eröffnung des Archivs ist der formale Höhepunkt der 42. Arbeitstagung des Netzwerks „Radio Jazz Research“ zum Thema „Sozialgeschichte im Jazz. In Erinnerung an den Musiker und Musikwissenschaftler Ekkehard Jost“. Zusammen mit dem Fachbereich Jazzforschung an der Kunstuniversität Graz hat Radio Jazz Research ein Tagungsprogramm zusammengestellt, das die Feier zur Archiv-Eröffnung aus unterschiedlichen Perspektiven ins Visier nimmt. Im Zentrum die kämpferische Wissenschaftler- und Musiker-Persönlichkeit Ekkehard Jost und die Musik, die er zu seiner machte: der Free Jazz. Eher persönlich geprägt ist der Ausgangspunkt des Vortrags des Gießener Journalisten Hans-Jürgen Linke, der zum Auftakt die Wirkungsmacht von Josts Schaffen in Sachen Musik, Forschung und Kulturpolitik in Gießen nachsinnt, während André Döhring, ein früherer Student und Mitarbeiter von Jost in Gießen, der heute den Fachbereich Jazzforschung an der Kunstuniversität Graz leitet, bei seiner Analyse die Wirkmacht der Forscherpersönlichkeit Jost fokussiert. Aus philosophischer Perspektive diskutiert der Turiner Professor Alessandro Bertinetto den Begriff der ästhetischen Freiheit, den Jost in seiner Habilitationsschrift „Free Jazz“ mitentwickelt, Gerd Putschögl wendet Josts sozialhistorischen Blick auf aktuelle Tendenzen der Verbindung von Jazz und Flamenco an, Bernd Hoffmann richtet seinen Blick darauf, wie in den 1950-Jahren in außermusikalischen, journalistischen, musiktheoretischen oder fiktionalen Beiträgen zum Jazz-Diskurs in Text, Hörfunk oder Film anhand der Gegenüberstellung von Unterhaltungsfunktion und Kunstanspruch Mythologisierungen vollzogen werden. Klaus Frieler zeigt mit seinen Analysen neue Perspektiven der Jazzforschung auf.


42. Radio Jazz Research-Tagung in Graz
Sozialgeschichte im Jazz – In Erinnerung an den Musiker und Musikwissenschaftler Ekkehard Jost

GRAZ, 9.-11. Juni 2022

In Zusammenarbeit mit dem Institut für Jazzforschung an der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz
Moderation: Michael Rüsenberg

Hans-Jürgen Linke (Gießen)
Ekkus: Regionale Szene, internationaler Ruf: Ekkehard Jost in Gießen

André Doehring (Graz)
(Bei) Jost studieren: Von der Person über die Institutionen zur Fachgeschichte

Alessandro Bertinetto (Turin)
Free Jazz: Eine konkrete Form ästhetischer Freiheit

Gerhard Putschögl (Bad Rappenau)
Ekkehard Jost und die „Spanische Kultur“

Bernd Hoffmann (Köln)
Satchmo Ost – Satchmo West: Louis Armstrong, ein kulturpolitischer Botschafter auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs

Klaus Frieler (Frankfurt)
Jazz und Big Data: Was können uns Korpusstudien über den Jazz erzählen?

ÄNDERUNGEN VORBEHALTEN

Hans-Jürgen Linke (Gießen):
Ekkus
Regionale Szene, internationaler Ruf: Ekkehard Jost in Gießen

Die erste und für lange Zeit einzige Free Jazz Formation im Mittelhessischen hieß Grumpff und wurde gegründet von Ekkehard Jost. Das geschah kurz nach Antritt seiner Musiksoziologie-Professur an der Justus-Liebig-Universität in Gießen. Ekkehard Jost hat die Stadt Gießen nie besonders gemocht und gehörte zu den Unruhegeistern am Institut, an das er über Jahrzehnte eine bestimmte Art von Musikern lockte. Als Lehrender, als Musiker und Publizist, als monothematisch agierender lokaler Kulturpolitiker, Mitbegründer der Jazzinitiative Gießen und der Jazzakademie Hessen und als privater Mensch war er in der Stadt und an der Universität der wohl zugkräftigste Kristallisationskern der regionalen Jazz-Szene. Immer wieder hat er mit seinen Studenten Bands gegründet. In den neunziger Jahren begann er sich in kleinen Schritten aus der lokalen Szene zurückzuziehen, hatte eine feste Bands fast ohne Gießener Musiker und markierte seine Ambitionen als Jazz-Komponist unter anderem mit zwei auch politisch grundierten größeren Projekten.

André Doehring (Graz): (Bei) Jost studieren. Von der Person über die Institutionen- zur Fachgeschichte

Der Vortrag „(Bei) Jost studieren.“ hat zwei Erkenntnisziele: Zum einen wird der Teil „Bei Jost studieren“, basierend auf eigener Erfahrung und objektiviert durch eine Curriculumsanalyse Gießener Studienordnungen, untersuchen, wie sich Sozialgeschichte bei Ekkehard Jost als Forschungs-, aber auch Lehrhaltung niederschlug. Zum anderen wird der Teil „Jost studieren“, basierend auf ersten Sichtungen des in Graz angesiedelten Jost-Archivs, die Josts Eingebundensein in strukturelle, musikalische und musikpolitische Zusammenhänge des Jazz zeigen, Möglichkeiten der künftigen fachgeschichtlichen Erforschung deutschsprachiger Jazzforschung erörtern.

Alessandro Bertinetto (Turin):
Free Jazz: Eine konkrete Form ästhetischer Freiheit

Der Ausdruck «Free Jazz», der auch der Titel des unvergesslichen Buches von Ecckehard Jost ist, unterstreicht die Rolle der Freiheit in der musikalischen Praxis. Die These, dass ich in meinem Vortrag untersuchen möchte, ist, dass dieser Ausdruck den paradigmatischen Charakter suggeriert, den Improvisation für die Kunst als solche hat. Um diese These zu argumentieren, möchte ich zunächst auf die Rolle des Freiheitsbegriffs in den ästhetischen Vorstellungen der wichtigsten Vertreter der “Klassischen Deutschen Philosophie” (Kant, Fichte, Schiller und Hegel) eingehen. Es soll gezeigt werden, dass die Kantsche These vom «freien Spiel» der kognitiven Fähigkeiten, die Fichtesche Konzeption der ästhetischen Haltung als Übergang zur transzendentalen Standpunkt, die Schillersche Identifikation von ästhetischem Schein und Freiheit und das Hegelsche Argument, wonach die Kunst den Menschen von der Sinnlichkeit im Bereich der Sinnlichkeit selbst befreiet, alle Ausdrucken einer ästhetischen Orientierung sind, wonach nicht Imitation, sondern Kreativität der authentische Kern der Kunst ist. Diese Idee sowie ihre politischen Implikationen finden sich auch in der künstlerischen Praxis der historischen Avantgarde sowie in den ästhetischen Konzepten der Kritischen Theorie wieder, die sich vor allem mit dem Verhältnis von ästhetischer Form und Kontingenz befassen. Ich werde diese Idee in Bezug auf improvisierte Musik aufgreifen. Dabei werde ich argumentieren, dass Improvisation – als künstlerische Auseinandersetzung mit Kontingenz – die konstitutive Rolle performativ darstellt, welche die ästhetische Freiheit – als dynamische Selbstentwicklung künstlerischer Formen im konkreten Verhältnis zur sozialen Wirklichkeit – fürs ästhetische Gelingen spielt.

Gerhard Putschögl (Bad Rappenau):
Ekkehard Jost und die „Spanische Kultur“

Insbesondere in seiner Komposition für Jazzorchester „Cantos de Libertad“ und in seinem Artikel „Flamenco Nuevo? Stilistische Tendenzen im Flamenco der Gegenwart“ zeigt Ekkehard Jost ein lebendiges Interesse an der Musik und Kultur Spaniens. Vor allem seine kritische Sichtweise zu einem verkommerzialisierten „Pop-Flamenco“ soll hier Ausgangspunkt meiner Betrachtungen werden, die insgesamt ein Resümee der zeitgenössischen Entwicklung des Flamenco-Jazz beinhalten und die Stilcharakteristika der wichtigsten Protagonisten beleuchten.

Bernd Hoffmann (Köln):
Satchmo Ost – Satchmo West. Louis Armstrong, ein Botschafter auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs.

Die Rezeption und Wertschätzung des Trompeters Louis Armstrong geht während den 1960er Jahren ganz unterschiedliche Wege in beiden deutschen Staaten. Einerseits symbolisiert Armstrong das Zentrum des traditionellen Jazzgeschehens in den USA. Er ist Orientierung für zahlreiche Jazzfans, vor allem in Europa, für Fans, die die modernen Spielarten des Jazz ignorieren. Andererseits faszinieren sein souveräner Umgang mit populären Musikformen wie seine Auftritte im westdeutschen Schlagerfilm. Zusätzlich verspricht seine Funktion als „Jazz Ambassador“ der USA ein reges Wechselspiel der Perspektiven – auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs.    

Klaus Frieler (Frankfurt):
Jazz und Big Data: Was können uns Korpusstudien über den Jazz erzählen?

Big Data hält auch in den Geisteswissenschaften unter dem Schlagwort der Digital Humanities verstärkt Einzug, das gilt auch für die Jazzforschung, wenn auch bisher in geringerem Umfang. Die Anwendung statistischer Methoden in einer traditionell hermeneutisch auf Einzelwerke und -künstler ausgerichteten Disziplin bleibt allerdings nicht ohne Widerstand. In diesem Beitrag soll anhand aktueller Beispiele versucht werden zu zeigen, dass Daten-orientierte Forschungsansätze nicht im Widerspruch zu herkömmlichen Methoden stehen, sondern – im Gegenteil – neue Sichtweisen auf Altbekanntes bieten können, die das Gesamtbild produktiv bereichern, ergänzen und erweitern. Zudem erlauben derlei Methoden neue Fragen aufzuwerfen, die ohne sie vielleicht nicht zufriedenstellend beantwortet werden könnten.


Bildinformationen:
Campus der Kunstuniversität Graz | Foto: Wolfgang Hummer

Vorschau:  Drei RJR-Tagungen bieten wir in 2022 an:

Tagungen 41.- 43. Radio Jazz Research-Themen in Siegburg, Graz und Lübeck

41. RJR-Thema: „Jazz und Philosophie“
In Zusammenarbeit mit dem KSI, Siegburg: 8.-9. April 2022
Mit Alessandro Bertinetto, Georg Bertram, Daniel Martin Feige, Andrew Hamilton, Michael Rüsenberg

42.RJR-Thema: „Jazz und Sozialgeschichte“
In Zusammenarbeit mit Institut f. Jazzforschung, Kunst Universität Graz, 9.-11. Juni 2022
Mit Alessandro Bertinetto, André Doehring, Klaus Frieler, Bernd Hoffmann, Hans-Jürgen Linke

43. RJR-Thema: „Identitäten im Jazz“
In Zusammenarbeit mit dem Trave Jazzfestival Lübeck: 8.-10. September 2022
Mit Jürgen Arndt, Christa Bruckner-Haring, André Doehring, Lena Jeckel, Tinka Koch, Anke Steinbeck

Herbert Uhlir (1950-2021)

Am 5. Dezember 2021 ist unser Radio Jazz Research-Mitglied Herbert Uhlir in einem Wiener Spital verstorben. Beim ORF (Wien) hat Herbert Uhlir von 2001 -2015 die Jazz-Sendungen des Hörfunks als Redakteur betreut. Die Vielfalt der verschiedenen österreichischen Jazzszenen hat er in diesen Sendungen abgebildet und beworben, besonders die einheimische Festival-Landschaft hervorzuheben war sein stetes Bemühen. In diesem Zeitraum entstanden auch zahlreiche Übertragungen in Zusammenarbeit mit dem Westdeutschen Rundfunk, die in 70 gemeinsamen „Jazznächten“ präsentiert wurden. Durch seine vielen Kontakte hat Herbert Uhlir dem Arbeitskreis Radio Jazz Research zahlreiche Mitglieder geworben und die Tagungen von RJR unterstützt. Wir verlieren einen guten Freund!

Die Beerdigung von Herbert Uhlir findet am 3. Januar 2022 auf dem Friedhof der Gemeinde Perchtoldsdorf (in unmittelbarer Nähe zu Wien, am Ostrand des Wienerwaldes), 13.00 Uhr statt.

© ORF

On December 5, 2021, Radio Jazz Research member Herbert Uhlir died in a Viennese hospital. At ORF (Austrian Radio), Herbert Uhlir was editor for jazz broadcasts on radio 2001-2015. He showed and encouraged the diversity of the various facets of the Austrian jazz scene in these programmes, and it was his constant endeavours to highlight the local festival landscape in particular. During this period, numerous broadcasts were made in cooperation with Westdeutscher Rundfunk, which were presented in 70 joint “Jazz Nights” at weekends. Through his many contacts, Herbert Uhlir has recruited several members for the Radio Jazz Research working group and supported the RJR conferences. We’re losing a good friend!

RJR-Mitglieder erinnern an Herbert Uhlir

Zum Tod von Herbert Uhlir

Herbert Uhlir ist nicht mehr. Das ist schwer zu begreifen, denn er war auch nach seiner Pensionierung als Ö1-Jazzredaktionsleiter recht präsent. Man hat ihn, den geselligen, kontaktfreudigen Kollegen, immer wieder auf diversen Festivals getroffen – nicht zuletzt jenen, deren Konzerte er in seiner „aktiven“ beruflichen Zeit über Jahre hindurch hat aufnehmen lassen. Schon in den letzten Jahren wirkte Herbert gesundheitlich angeschlagen, sein Tod kommt dennoch überraschend.

In seinen 14 Jahren als Leiter der Ö1-Jazzredaktion (2001-15) hat Herbert Uhlir tiefe Spuren hinterlassen. Herbert traf durch die regelmäßige Aufnahme wichtiger österreichischer Jazzereignisse wie der INNtöne in Oberösterreich, von Outreach in Schwaz sowie der Festivals in Saalfelden und Leibnitz richtungsweisende Entscheidungen, die bis heute nachwirken. Akzente setzte er außerdem – gemeinsam mit seinem Kölner Kollegen Bernd Hoffmann – mit der modellhaften Kooperation mit der Jazzredaktion des WDR. Von März 2006 bis Februar 2019 wurden 71 gemeinsame Ö1/WDR3-Jazznächte ländergrenzenübergreifend ausgestrahlt.

Ö1-Chef Martin Bernhofer würdigt Herbert Uhlir als „exzellenten Jazz-Kenner und Vermittler“, der „die Grundlagen für das Profil von Ö1 auch als ‹Jazzsender› gelegt“ habe. Wir alle verlieren einen liebenswürdigen Menschen. Die Ö1-Musikredaktion und vor allem das Ressort Jazz, Popular- und Weltmusik wird Herbert Uhlir ein ehrendes Andenken bewahren.

(Dr. Andreas Felber, Teamleiter Jazz, Ö1)

Peter Moser, Herbert Uhlir im «Metronom» in Köln, 21.09.2015
©Karsten Mützelfeldt

Erinnerungen an Herbert Uhlir

Schon bei unserer ersten Begegnung im Backstage-Bereich eines niederrheinischen Festivals verabredeten wir eine gemeinsame Live-Sendung. War es zuerst als radiophone Spielerei gedacht, so erkannten wir aber sofort die Chance, den Jazz mit dieser internationalen Kooperation (Ö1/WDR3) über den Alltag der eigenen Sendeanstalt hinauszuheben. Aus Herbert sprach die Erfahrung eines langgedienten Radiomenschen, der die Struktur (und die Fallstricke) seines Funkhauses kannte und der genau wusste, wie eine solche Idee zu platzieren war: Dass es später ein nahezu ideales Sendegefäß für diese internationale Kooperation, die „ORF/WDR Jazznacht“ geben sollte, wurde in der ARD verwundert bestaunt.

Es mag abgedroschen klingen, aber die Zusammenarbeit funktionierte vom ersten Tag an, denn die Chemie stimmte. Beide waren wir erst seit kurzem Jazz-Redakteure, suchten ein eigenes Profil und hatten mit dieser, redaktionellen-Finanzen-schonenden Gemeinschaftsarbeit bald ein prägendes Instrument der radiophonen Präsentation regionaler Jazz-Landschaften in der Hand. Die gemeinsamen Sendungen fingen mit kleineren Live-Konzerten an, am 11. März 2006 übertrugen wir dann die erste (nächtliche) Acht-Stunden-Sendung, die „Cologne – Vienna – Jazz Bridge“ aus dem Kölner Stadtgarten. Moderiert haben diese erste Kooperation Michael Rüsenberg und Herbert Uhlir, eine Besetzung, die über Jahre die gemeinsamen Jazznächte prägen sollten.

Michael Rüsenberg über Herbert Uhlir: „Herbert war unerschrocken gegenüber Rotlicht, sei es am Studio- oder am Saalmikrofon. Er war enorm begeisterungsfähig, er verstand sich als Anwalt sowohl der Musiker als auch des Publikums. Nicht zuletzt war er ein Anekdotenerzähler der Extraklasse.“ Eine überaus treffende Beschreibung von Herberts Souveränität und handwerklicher Qualität in verschiedensten Radioformaten. Als Ergebnis  dieser gemeinschaftlichen Arbeit entstanden allein bei den „JazzNächten“ über fünfhundert Sendestunden (2006-2019), die zahlreiche Jazz-Festivals in Österreich und NRW vorgestellt haben und deren Konzerte meist live übertragen wurden.

Neben dieser radiopolitischen Seite brachten mir diese Live-Sendungen auch die große Festival-Vielfalt Österreichs näher: Die Übertragung aus alten Wirtsstuben und großen Konzertsälen wird in meiner Erinnerung überstrahlt vom Glanz der violetten Berge beim Sonnenaufgang über Schwaz (Tirol) bei einer Sendung vom dortigen gymnasialen Fußballplatz. Der jetzige Ö1 Wellenchef Martin Bernhofer nennt Uhlir einen „musikalisch innovativen Kulturbotschafter“. Seine Freundschaft beförderte auch die Vermittlung von RJR-Tagungsadressen in Österreich, zahlreiche Mitglieder des Arbeitskreises wurden von Herbert Uhlir für Radio Jazz Research gewonnen. Im Ruhestand bereist er weiterhin die großen und kleinen Jazzfestivals und zog sich immer wieder an schöne und diskrete Orte seines Heimatlandes zurück. 

Herbert Uhlir hat dem österreichischen Jazz gutgetan!

(Priv. Doz. Dr. Bernd Hoffmann, Vorstand Radio Jazz Research)

Herbert Uhlir und Bernd Hoffmann, WDR Jazzfest 2013, Gütersloh

Herbert Uhlir

Herbert Uhlir ist stets ein angenehmer Gesprächspartner gewesen, mit dem man gleichermaßen locker plaudern wie tiefgehend diskutieren konnte. Und obwohl er viel über Jazz und improvisierte Musik wusste, so hat sein Wissen nie etwas Akademisches gehabt. Ganz im Gegenteil: Oftmals fußte es auf persönlichen Erlebnissen und Erfahrungen, auf Begegnungen und Gesprächen mit Größen dieser Musik. Und das, was ihn als Gesprächspartner ausgezeichnete, wurde auch zur Grundlage seiner Arbeit als Ö1-Jazzredakteur: selbst den komplexesten Jazz den Hörer/-innen so zu vermitteln, dass diese durch seine Leidenschaft für diese Musik geradezu angesteckt wurden. Uhlir war ein „Kommunikator“, jemand, der die verschiedenen Jazzszenen in Österreich zu verknüpfen wusste, um diese dann in einen internationalen Kontext zu setzen – wie zum Beispiel in 70 gemeinsamen Jazznächten mit dem Westdeutschen Rundfunk, in denen er uns in Deutschland den Jazz aus Österreich in seiner ganzen stilistischen Vielfalt und ästhetischen Differenzierung nahebrachte.

Martin Laurentius, Redakteur Jazzthing


Herbert Uhlir

Ein freundlicher und liebenswerter Mensch. Und er konnte auf eine Art charmant sein, die einen Piefke manchmal neidisch werden ließ. Wer von ihm erfahren wollte, was es denn mit dem so schwer fassbaren Wiener Schmäh auf sich hat – er konnte es einem vermitteln. Er war kein Grantler, beileibe nicht, auch wenn er aus seiner Abneigung gegenüber den Eitelkeiten spießig-verklemmter Besserwisser keinen Hehl machte. Herbert interessierte sich für Vieles, für sehr Vieles, und ließ einen ohne jegliche Überheblichkeit gern an seinem breiten Wissen teilhaben. Zu wissen, ihn bald hier oder da wiederzutreffen, ging immer mit Vorfreude einher. Endlose Tages-, Abend- und Nachtgespräche bleiben unvergesslich. Nachdenkliches und immer wieder Witziges. Sein Anekdoten-Schatz war gewaltigen Umfangs, sie zu erzählen und im richtigen Moment mit dem richtigen timing wirken zu lassen, eines von vielen seiner Talente. Ein kluger, belesener Kopf und bauchiger Genussmensch, geerdet und kommunikativ. Ein passionierter Reisender, mit offenen Ohren, Augen und offenem Herzen, der dich immer wieder daran erinnerte, dass die Jazz-Welt eine schöne, aber eben sehr kleine ist – und es jenseits von ihr so viel mehr zu entdecken gibt.

Karsten Mützelfeldt, Jazz Journalist und Radiomoderator

WDR3/Ö1 Jazznacht: WDR Jazzfest 2016, Sendung mit Karsten Mützelfeldt und Herbert Uhlir (Landesstudio Münster, 31. Januar 2016)

Herbert Uhlir

Herbert Uhlir brought something very special to the meetings of Radio Jazz Research. He set the tone by always being friendly, welcoming, thoughtful, and inclusive.  In this jazz world I know that I have the good fortune to meet some very special people, and Herbert was one of the best. I shall miss him.

Sebastian Scotney, London Jazz News


HERBERT UHLIR – ein Freund der Jazzfreunde Bad Ischl

NACHRUF

Als wir uns Anfang des einundzwanzigsten Jahrhunderts kennenlernten, hattest du die Vision die Jazzmusik nicht nur in den großen Sälen und Städten sondern auch an „unkonventionellen“ Orten und „kleinen“ Jazzclubs zu unterstützen und zu promoten. Und so kam es, dass ich 2002 als Obmann des Vereins Jazzfreunde Bad Ischl als Gast in deine Ö1- Jazznacht-Sendung eingeladen wurde – es folgten weitere Sendungen, eine davon war 6 Stunden lang!

Mit der ersten ORF Aufnahme im Jahre 2005 für die Sendung „On stage“ startete Ö1, wo du als Leiter der Jazzredaktion tätig warst, eine langjährige Kooperation – mittlerweile sind über 20 Livemitschnitte, einige davon auch in der „Edition Jazz Austria“, die du auch initiiert hast, als CDs erschienen. Lieber Herbert, all diese Initiativen haben uns geholfen und motiviert, auch wie du über unseren „Enthusiasmus“ geschrieben hast „mitten im Salzkammergut eine Jazz-Oase höchster Qualität aufrecht zu erhalten und ein interessiertes Publikum anzusprechen.»
Deine Mail-Signatur hatte einen Zusatztext: “Jazz is more than music!” – als Mensch warst du ein offener und scharfer Beobachter des Weltgeschehens und ein überaus objektiver Analytiker – die Welt der Bücher hat dir die Balance dazu gegeben. Bei deinen jährlichen Aufenthalten im Salzkammergut und unseren Zusammenkünften bei verschiedenen Festivals und bei Radio Jazz Research Tagungen haben wir gemeinsam all diese Aspekte analysiert und die Zukunft der Jazzszene vorausgedacht – wunderbare Momente.

Momente die du mit dir mitnimmst… Die wunderbaren Erinnerungen bleiben…

Lieber Herbert, du hast dich getraut die „Seven Steps to Heaven“ zu beschreiten,
… wir sind noch unterwegs!

Emilian Tantana Obmann der Jazzfreunde Bad Ischl

WDR/Jazzfest 2017, Sendung mit Karsten Mützelfeldt und Herbert Uhlir, Theater in Gütersloh, 05.02.2017
© Karsten Mützelfeldt

Herbert Uhlir

As I got to know Herbert, through our meetings of Radio Jazz Research and elsewhere, I realised that I was in the presence of a true professional – one who understood intuitively how to present the music and also how to use his position at ORF to provide such a great service to so many in a selfless manner. It wasn’t about working out how to make his way upwards in a large organisation but rather by helping listeners to learn about the music and where they could hear the music, in his support for musicians of quality and also those who promote the music at its roots with passion and commitment, such as the smaller venues, festivals and labels. This could only come from years of experience but also an awareness of how to bring it all together. His ways, sometimes not the most predictable, were nevertheless to be respected, and perhaps that’s why he was able to become such a popular man within our scene.

Oliver Weindling, Jazzclub Vortex, London

Publikationen

Es erscheinen drei interessante Publikationen, geschrieben von Autoren und Mitgliedern, die beispielhaft die Themenbreite von Radio Jazz Research demonstrieren:

Jürgen Arndt: Caterina Valente, Wolfgang Lauth, Jazz und Schlager. Facetten der 1950er Jahre und darüber hinaus. Olms-Weidmann, Hildesheim/Zürich 2021, 48.00 €

Georg Bertram/Michael Rüsenberg: Improvisieren! Lob der Ungewissheit. Reclam, Stuttgart 2021, 12.00 €*

Willem Strank: Handbuch Filmgeschichte. Von den Anfängen bis Heute. UTB 39.90 €

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* Die Improvisationsgeschichte behandeln wir in der 42. RJR-Tagung in Siegburg 2022.

Manfred Miller, 1943-2021

Michael Rüsenberg (mit freundlicher Genehmigung von jazzcity.de)

Manfred Miller, 1943-2021

Eine solche Spannweite wird es in der deutschen Jazzpublizistik nicht mehr geben. Dass jemand Schlüsselalben des FreeJazz produziert und später wie kein zweiter in den Blues sich vertieft, insbesondere in seine Texte.

Konkret: 1967 dirigiert er einen Ü-Wagen, Personal und Bandmaterial in eine Schulaula, um „For Adolphe Sax“ von Peter Brötzmann aufzunehmen. Mit der damals streng verbotenen Konsequenz, dass der Künstler die Bänder an sich nimmt und in Form einer Langspielplatte auf den nach dieser Musik nicht gerade gierenden Markt bringt.

Das war 1967. Da hatte er gerade ein Studium der Philosophie und Musikwissenschaft in Köln abgebrochen und verdingte sich als Hilfsredakteur der Deutschen Welle. Ein Jahr später, nun bei Radio Bremen als ordentlicher Jazz- & Pop-Redakteur, lässt er erneut Mikrofone auf Peter Brötzmann richten, an einem Maien-Nachmittag in der „Lila Eule“, für das noch legendärere Album „Machine Gun“.

Aus dem Juni 1967 kursieren Schnipsel durchs Internet, von einer sagenhaften Freitagnachmittag-Debatte im Ersten Deutschen Fernsehen (an Werner Höfers Hufeisen-Tisch), wo er den Advokat des Teufels gibt und eloquent die Ästhetik des damals neuen FreeJazz gegen die störrischen Mienen von Felix Schmidt (Der Spiegel) und Siggi Loch verteidigt. Unvergessen eine Überleitung des Moderators Siegfried Schmidt-Joos („Bevor wir Herrn Brötzmann zum Abschuss freigeben“) sowie der Moment, wo Klaus Doldinger kurz den Brötzmann gibt (und wild in den Raum quiekt). Woraufhin er von Miller auf die Plätze verwiesen wird mit der Bemerkung, dass er damit nicht ein Konzert in der neuen Stilistik bestreiten könne.

An einem Mikrofon von Radio Bremen war es auch, wo er 1968 mit einer süffisanten Bemerkung über das Paradepferd der Bundeswehr, den Starfighter, den Status einer Berühmtheit im Warhol´schen Sinne erlangte. Gerade war der 99. Starfighter abgestürzt, da gab Miller im „Pop Shop“ die Empfehlung aus: „Freunde, stellt schon mal den Sekt kalt, der 100. kommt bald!“

Die Leitung des Hauses, man ahnt es, zählte sich nicht zu diesem Freundeskreis.

Sie ließ ihn gleichwohl im Norden nicht verstummen. 1972 wirkte er an der 13teiligen TV-Reihe „Sympathy for the Devil“ mit. 1973 – „mit politisch bedingten Unterbrechungen (zwischen 1975 bis 1984) bis 1986 (wie sein Nachfolger bei Radio Bremen, Peter Schulze anmerkt) folgten 52 Einstunden-Sendungen „Roll over Beethoven – Zur Geschichte der Populären Musik“ für Radio Bremen 2, aber auch NDR und WDR. Aus der Sendereihe ging eine Sammlung hervor, die seit 1991 unter Klaus-Kuhnke-Archiv für Populäre Musik in Bremen ansässig ist.

Millers Schwerpunkt hatte sich da schon weg vom FreeJazz und mehr zur Populären Musik (in einem sehr umfassenden Sinne) verlagert, Und vor allem: zum Blues!

1976 arbeitete er im SWF-Landesstudio Mainz, zunächst als freier Mitarbeiter, von 1981 bis 1999 als regionaler Kulturredakteur.

Bis in die 80er hinein jedenfalls wirkte er auf SWF 2 an der legendären 19:30-Uhr-Strecke mit, und zwar mit „Oldtime“ (!) und „Bluestime“.

Oh ja, der Blues! Verblüffend, auf discogs zu finden, wie viele Alben er kompiliert, für wie viele er liner notes geschrieben hat. Mit dem Blues blieb er bis zuletzt über das von ihm mitbegründete und ihn schwer auszeichnende Bluesfestival in Lahnstein verbunden. Wir dürfen sagen, wir haben vor allem von ihm gelernt, dass der Blues kein Kind von Traurigkeit ist (jedenfalls nicht durchgängig) und dass er nicht ewig über 12 Takte läuft.

Unvergessen, wie er sich in die Lyrik des Blues vertiefte, sie kongenial übersetzte und uns Frischlingen den erotischen Doppelsinn so mancher braver Sprachfloskel entschlüsselte, darunter seine eigene Kategorie des (Sexual)Protzer-Blues.

Die Rentnerjahre verbrachte er wechselweise auf Elba und in Mainz. Zuletzt machte er sich noch an ein publizistisches Großprojekt, dessen erster Teil unter „Um Blues und Groove – Afroamerikanische Musik im 20. Jahrhundert“ 2017 erschien. Man hätte gerne gehört, was er zur heutigen Duckmäuser-Debatte (hier Euro-Zentrismus, dort Afro-Amerikanismus) gesagt hätte.

Es bleibt allemal schade, dass er seine große Begabung nicht über die gesamte Lebenszeit zum Ausdruck hat bringen können. Er hätte in den Olymp der deutschen Jazzpublizistik gepasst, neben Peter Niklas Wilson, Ekkehard Jost, Alfons Dauer, ja auch Michael Naura.

Manfred Miller, geboren am 11. April 1943 in Reichenberg (ehemals Nordböhmen), ist am 4. Juni 2021 in Mainz einer Krebserkrankung erlegen. Er wurde 78 Jahre alt.

5. RJR-Zoom-Konferenz, 07. Mai 2021, 15.00 Uhr

Zoom Meeting 05
Jazz vor Ort in Zeiten der Pandemie Topic: Radio Jazz Research

Eingeladen sind:
André Doehring (KUG), Andreas Felber (ORF), Lena Jeckel (Gütersloh), Arndt Weidler (Jazzinstitut Darmstadt), Guido Spannocchi (GB), Sebastian Scotney (London Jazz News).

Die Pandemie fördert die Live-Präsentation und Darstellung der lokalen Jazzszenen im Internet, da Gäste aus anderen Ländern nicht einreisen dürfen. Entstehen  in der Corona-Not also Formen der Unterstützung und Aufmerksamkeit im lokalen und regionalen Bereich? Und wie unterscheiden sich diese Formen von Festivals, die nur die einheimische Szene vorstellen.

4. RJR-Zoom-Konferenz, 09. April 2021, 15.00 Uhr

Zoom Meeting 04
Streaming und Podcast.

09.04.2021 – ab 14.50 Uhr
Im letzten Jahr wurde das Internet (sowohl als Audio über Podcasts als auch als Video mit Livestreams) immer beliebter. Anfangs von Musikern selbst, jetzt aber mehr und mehr von Festivals und Veranstaltungsorten. Wie wird sich dies auf das Verhalten von Clubs und Festivals auswirken in Bezug auf die Programmierung? Was ist mit dem Publikum und wie wird sich das auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk auswirken?

Marcus Bartelt (Musiker) Urs Röllin (Festivalmacher & Musiker), Sebastian Scotney (London Jazz News), Michael Rüsenberg (Jazz City & Stadtgarten Podcast), Guido Spannocchi (Musiker), Oliver Weindling (Vortex).

Ab circa 16.00 Uhr
Neu im RJR Zoom-Meeting:
Informationen von Mitgliedern für Mitglieder.


3. RJR-Zoom-Konferenz, 12. März 2021, 15.00 Uhr

Zoom-Meeting 03
Die Pandemie verändert stark die Situation der Clubs für improvisierte Musik: Improvisationen finden vor leeren Stühlen statt, das Publikum schaut Liveübertragungen im Homeoffice. Der Club als Übekeller!

Aus ihrem Alltag berichten:
Konnie Vossebein, Waldo Riedl, Paul Zauner, Emilian Tantana, Jan Korinek

Ab circa 16.00 Uhr
Neu im RJR Zoom-Meeting:
Informationen von Mitgliedern für Mitglieder


Das 4. Zoom-Meeting von RJR findet am 9. April statt.
Das Thema: Streaming und Podcast.