Der Verein

Schon früh fand der Jazz im Radio eine ideale Verbreitung, umgekehrt gab das Radio dem Jazz Impulse für wegweisende Aufnahmen, innovative Soundgestaltungen und Kompositionsformen. Heute bietet der öffentlich-rechtliche Rundfunk die Möglichkeit die Geschichte des Jazz vorzustellen, seine aktuelle Situation zu beschreiben und Impulsgeber für die zukünftige Entwicklung der Improvisierten Musik zu sein.

In diesem Spannungsfeld strebt Radio Jazz Research zwei Ziele an: Im freien Meinungs- und Informationsaustausch der Mitglieder und geladener Gäste werden thematische Schwerpunkte behandelt, die der Erforschung des Jazz und seiner Präsentationsformen in den Medien dienen. Im Umkehrschluss helfen die Arbeitsergebnisse von Radio Jazz Research, die Kompetenz von Journalisten und Musikwissenschaftlern zu vertiefen.

Langjähriges Radio Jazz Research-Mitglied Ekkehard Jost verstorben

Ekkehard Jost (Foto: Wilfried Heckmann)

Ekkehard Jost (*22.1.1938 – +23.3.2017)

Mit geradezu feuilletonistischer Eloquenz stellte er profunde historische Bezüge sowohl zu den verschiedenen Landesszenen her als auch rüber in die USA. Jost, 1938 in Breslau geboren, war einer der Musikwissenschaftler, dem es stets gelang, den Elfenbeinturm zu verlassen und unterhaltend über sein Forschungsgebiet zu sprechen: über den Jazz in seinen vielfältigen stilistischen Ausprägungen.

Weiterlesen »

31. Arbeitstagung in Münster | 05. und 06. Januar 2017

Gruppenfoto Münster 2017Jazz und Kulturpolitik 

Der Jazz ist ein schillernd Ding. Kaum zu definieren, aber nett zu beschreiben: expressiv und hot, lässig und cool – ein musikalisches Reich der Freiheit. Wenig könnte ihm ferner sein als die alltäglichen Mühen der Kulturpolitik, ihre Gremiensitzungen und Ausschussarbeit, parteitaktischen Ränkespiele und die sprachliche Tortur bürokratischer Wortgeburten.

Weiterlesen »

30. Arbeitstagung in St. Florian bei Linz | 06. – 08. Oktober 2016

rjr_linz_neu_1„Giants Revisited“: Carla Bley, John Coltrane, Scott Joplin, Thelonious Monk und Lester Young

Es hat sich eingebürgert, die Geschichte des Jazz als eine Galerie von stilprägenden Musikern zu erzählen, von Säulenheiligen, über deren jazz- bzw. musikhistorische Bedeutung innerhalb der Jazzgemeinde weitgehend Einigkeit erzielt wurde. Von Jelly Roll Morton über Buddy Bolden zu Louis Armstrong oder Duke Ellington, von Charlie Parker zu Miles Davis, von Thelonious Monk zu John Coltrane und vielen weiteren, die als über jeden Zweifel, jede Kritik, jeden Diskurs erhaben angesehen werden, streckt sich diese Geschichte.

Weiterlesen »

29. Arbeitstagung, 31. März bis 01. April 2016 in Kiel

Jazz und Film

29. RJR-Tagung in Kiel (31.03./01.04.)Zwei Welten, mindestens, prallten bei der 29. RJR Arbeitstagung zum Thema „Jazz und Film“ am 31. März/01. April 2016 im Internationalen Begegnungszentrum in Kiel aufeinander: auf der einen Seite die Welt der Filmwissenschaftler mit ihrem ausgearbeiteten Begriffsapparat im Werkzeugkasten und einem Koffer voller visueller Erinnerungen im Gepäck. Und auf der anderen Seite diejenige der anwesenden Jazzjournalisten, die im Umgang mit Filmen dazu neigen, Fragen der visuellen Repräsentation zu ignorieren, das Maßband historischer Richtigkeit anlegen und schnell auf die Ebene von Geschmack und persönlicher Bewertung einzuschwenken. In diesem Licht entwickelte diese Tagung einen hochspannenden „Clash of Civilizations“.

Weiterlesen »

28. Arbeitstagung, 17. bis 18. September 2015 in Luxemburg (in Zusammenarbeit mit music:LX)

Länderschwerpunkt: Luxemburg

Luxemburg? Da war doch was? Ja klar, das ist das Großherzogtum im Zentrum Europas, oder vielmehr noch dessen gleichnamige Hauptstadt, gut 100.000 Einwohner, davon etwa ein Drittel Eingeborene, dazu Zugewanderte aus über 160 Staaten, reichlich gut situierte Mitarbeiter von EU-Institutionen, der angeschlossenen Beeinflussungsindustrie und der Jongleurskaste aus den Finanzinstituten. Besonders Frankreich und Portugal stellen nennenswerte Bevölkerungsanteile, aber natürlich auch die direkten Nachbarländer Belgien und Deutschland. Satter Wohlstand noch aus Zeiten von Schwerindustrie und Montanunion, den modernere Methoden der Kapitalakkumulation noch einmal aufblasen konnte. Souverän und höchst anpassungsfähig hat Luxemburg die Chancen ergriffen, die sich für das Land aus dem Anbruch einer Zeit, in der Produktion kaum noch eine Rolle spielt, ergaben: Luxemburg steht für Saar-Lor-Lux, Benelux, Europa – kurz: für ein Gemeinwesen an der Schnittstelle größerer Einheiten.

Weiterlesen »

27. Arbeitstagung, 29. bis 30. Mai 2015 in Graz (in Zusammenarbeit mit dem Institut für Jazzforschung der Kunstuniversität Graz)

En Detail: Analyse im Jazz.

Für einen anderen Schwerpunkt hätte ich die Reise nicht unternommen. Stefan Hentz benennt „Sinnhuber vs. Stoffhuber“. Dichotomisierungen zeigen, was sie aussparen: Ausnahmslos Zustimmung (sic!) fand Andreas Felber als Nachfolger von Herbert Uhlir. Schön zu sehen, dass sich Qualität, auch menschlich, in professioneller Geisteswissenschaft durchsetzen kann. Am Vorabend besuchte ich den Grazer Vibraphonisten Berndt Luef. Manches ließe sich gegen ihn vorbringen, doch kein aalglatter Lebenslauf. Er berichtete nebenbei von deutlichen Auffassungsunterschieden zwischen amerikanischen und europäischen Musik-Dozenten der Hochschule. Weiterlesen »

26. Arbeitstagung, 8. bis 9. Januar 2015 in Münster (in Zusammenarbeit mit dem internationalen Jazzfestival Münster)

Korrespondenzen

Korrespondenzen, so lautete der Titel der 26. Arbeitstagung der AG RadioJazzResearch am 8./9. Januar 2015 in Münster, und mit dem Titel war schon einmal ein sehr weiter Themenrahmen abgesteckt. Korrespondenzen, das ist im strengen wörtlichen Sinn ein zumindest bidirektionales Austauschverhältnis im Sinn wechselseitiger Beantwortung im Bereich der interpersonellen Kommunikation. Allerdings hat sich der strenge Sinn seit langem verflüssigt, so dass Korrespondenten in Publikationen schon längst eine Kommunikation ohne Rückkanal aufgebaut haben oder der Begriff der Korrespondenz im mathematischen und Bereich der jüngeren Naturwissenschaften zur Beschreibung von Abhängigkeitsverhältnissen zwischen verschiedenen (und verschieden alten) Theoriebildungen genutzt wird. Angesichts dieser Verflüssigungen des Begriffes „Korrespondenzen“ ist es wenig erstaunlich, dass auch die Ausfüllungen des Begriffes im Verlauf der Tagung starken Schwankungen unterlag. Weiterlesen »

25. Arbeitstagung, 13. bis 14. November 2014 in Osnabrück (in Zusammenarbeit mit dem Jazzprofil der Hochschule Osnabrück)

Jazz in Europa Teil II

Die Fahnenträger der These, dass der Jazz nach Europa umgezogen sei, hatten es nicht leicht bei der Wiedervorlage des Thema „Jazz und Europa“ im Rahmen der 25. Arbeitstagung von Radio Jazz Research im November 2014 in Osnabrück. Nachdem sich Radio Jazz Research bereits im Vorjahr mit dem Jazz in Europa und den unterschiedlichen Bedingungen, unter denen er in verschiedenen europäischen Staaten und Regionen entsteht, befasst hatte, setzte nun schon Hans-Jürgen Linkes Eingangsreferat „Der feine Unterschied – Jazz, Globalisierung und Regionalität“ einen sachlichen Grundton. Zunächst ließ Linke das vermeintliche Gegensatzpaar Globalisierung und Regionalität auf eine Frage der Perspektive schrumpfen, um später in seiner Schlussfolgerung die Begeisterung über den Jazzkontinent Europa auf pragmatische Füße zu stellen: das wesentliche Unterscheidungskriterium zwischen US-amerikanischem und verschiedenen Spielformen des europäischem Jazz macht Linke nicht in stilistischen oder musikalischen Eigenschaften fest, sondern an einem schnöde ökonomischen Hintergrund: der öffentlichen Förderung.

Weiterlesen »

24. Arbeitstagung, 19. bis 20. Juni 2014 in Lübeck

Jazz und Identität – Zum Verständnis Improvisierter Musik

Es war schwer verdauliche Kost, der sich die Teilnehmer der 24. Arbeitstagung des Arbeitskreises Radio Jazz Research am 19./20. Juni in Lübeck aussetzten, ein Höhenflug in die Zonen des Grundsätzlichen, der durch die autobiographische Selbstreflexion des Gitarristen Jean-Paul-Bourelly jedoch glänzend ausgewogen wurde. Nachdem die ausführliche – und im Jazzdiskurs noch immer unterrepräsentierte – philosophische Reflexion zunächst die Arbeit an der Genauigkeit und Gegenwartstauglichkeit des Begriffsapparates, mit dem man dem Jazz gegenüber tritt, in den Fokus rückte, und ein Blick über die Grenzen des Genre Jazz hinaus verdeutlicht hatte, wie wenig der Jazz am Ideenaustausch zwischen anderen Kulturfeldern Teil hat, schwenkte die Tagung im weiteren Verlauf immer stärker auf ein historio- oder biographisch grundiertes Debattenlevel ein, das wiederum der Sinn des Strebens nach begrifflicher Klarheit besonders deutlich hervor kehrte und das Tagungsprogrammverlauf wie einen perfekt gespannten Bogen erscheinen ließ. Weiterlesen »

23. Arbeitstagung, 17. bis 18. Oktober 2013 in Osnabrück (in Zusammenarbeit mit dem Jazzprofil der Hochschule Osnabrück)

Jazz in Europa

Der Ort passte. Ein Diskussionsforum über „Jazz in Europa“ in einer Stadt, in der einst – neben Münster – der Westfälische Friedensvertrag ausgehandelt wurde. Ihm vorausgegangen war ein fünf Jahre dauernder Friedenskongress, daran beteiligt fast alle europäischen Großmächte. Radio jazz research ist (noch) kein die klugen Köpfe großer Teile Europas umschließendes Kompetenzteam, aber immerhin doch ein zunehmend internationales – mit Teilnehmern und Mitgliedern aus Großbritannien, Österreich, der Schweiz und Deutschland. Und auch die Wahl der Tagungsstätte passte: eine Hochschule, mithin eine Institution, die mittlerweile ein Großteil professioneller Jazzmusiker irgendwann durchlaufen haben, gerade in Europa.
Weiterlesen »