40. Arbeitstagung in Weimar | 02. – 04. September 2020: Tanz – Bewegung – Improvisation

Das 40. Radio Jazz Research-Meeting (RJR) beschäftigt sich in zwei deutlich abgegrenzten Vortragsblöcken mit Zusammenhängen zwischen Tanz, Bewegung und Improvisation,einem für die Jazz-Entstehung wie für seine Gegenwart wichtigen Themenkomplex, der bisher im Rahmen von RJR noch nicht behandelt wurde. Aktuelle und historische Formen des populären sowie des künstlerischen Tanzes im 20. und 21. Jahrhundert, die in einem direkten Zusammenhang mit der Geschichte des Jazz und der Improvisierten Musik stehen, sind Gegenstand der Vorträge, Demonstrationen und Gespräche. Während die Vorformen des Jazz schon im 19. Jahrhundert zur klingenden Basis der verschiedenen Tänze US-amerikanischer populärer Musik wurden, entwickelten sich im Jazz-Kontext zahlreiche weitere Tanzstile. Mit Improvisationen beginnend – die Musik und Bewegung unmittelbar und spontan verknüpfen -, spannt sich der Bogen weiter über experimentelle Performances, bei denen Composer-Performer aus verschiedenen Kunstbereichen in einen wechselseitigen Austauschprozess treten.

Bei der RJR-Tagung stellt zunächst das Performer-Duo Ingo Reulecke (Tanz) und Simon Rose (Saxophon) seine künstlerische Arbeit vor und erläutert an ihrem Beispiel die „Spielregeln“ improvisatorischer Kreativität. Anschließend diskutiert Helmi Vent ihre künstlerische Arbeit am Lab Inter Arts Salzburg an den Schnittstellen von Klang und Körper: Filmdokumentationen geben Einblicke, in welchen Kontexten und auf welche Weise sich improvisierende Musiker in körperorientierte Prozesse hineinbegeben, um performative Entwürfe und dialogische Formate entstehen zu lassen. Spielorte sind individuell gewählte und auch zufällige Lokalitäten im gesellschaftlichen Umfeld der Performer-Composer. Abschließend wird Stephanie Schroedter einen Einblick in ihre klangperformative Forschung geben, die Relationen von Musik und Bewegung untersucht und dabei Theorie und Praxis aneinander reibt. Leitend sind dabei die Fragen: Warum bewegen wir uns (physisch) zu Musik? Warum bewegt uns Musik (emotional)? Mehr noch: Inwiefern lässt sich Musik als Bewegung begreifen, die – unabhängig von den Musikpraktizierenden und Musikrezipierenden – über eine eigene Körperlichkeit verfügt?

Dem eher kunsttheoretischen Blick auf das Verhältnis von klanglichen und Körpervorgängen steht bei dieser 40. RJR-Tagung ein historisch inspirierter Zugriff auf das Thema Jazz als Unterhaltungsmusik und Tanz gegenüber. Jazz ist durch seine afroamerikanische Perspektive eng mit dem Tap Dance verbunden, dessen elementare Gestaltformen und Spielregeln der Erfurter Tänzer Bernhard Prodoehl und der Schlagzeuger Marcus Horn in einem getanzten Dialog demonstrieren. Anschließend erzählt die Tänzerin Darina Dimitrov im Gespräch mit dem RJR-Kollegen Arne Schumacher die bisher weitgehend unerforschte Geschichte des zunächst eher klassisch ausgerichteten MDR-Fernsehballetts. Anschließend präsentiert Bernd Hoffmann Film-Notizen zum afroamerikanischen Tanz und weist nach, wie Virtuosität und Synchronität den Stil der meisten Tap-Gruppen auszeichnen, die mit den schwarzen Big Bands der 1930er Jahre auftreten.

Stefan Hentz


Vorläufiges Programm

1) Ingo Reulecke (Tanz) und Simon Rose (Saxophon):
Spielregeln improvisatorischer Kreativität

2) Helmi Vent:
Improvisierte Musik in Performance

3) Stephanie Schroedter:
Warum bewegt uns Musik?

4) Tänzer Bernhard Prodoehl und Schlagzeuger Marcus Horn:
Tap Dance

5) Tänzerin Darina Dimitrov im Gespräch mit Arne Schumacher

6) Bernd Hoffmann:
Film-Notizen zum afroamerikanischen Tanz