Jazz & The City Salzburg | 16. – 20. Oktober 2019

Musiker vor Festungspanorama in Salzburg (Bildrechte: Jazz & The City / Tourismusverband Salzburger Altstadt)
Musiker vor Festungspanorama in Salzburg (Bildrechte: Jazz & The City / Tourismusverband Salzburger Altstadt)
Musiker vor Festungspanorama in Salzburg (Bildrechte: Jazz & The City / Tourismusverband Salzburger Altstadt)

Im Oktober schaut die Jazzwelt wieder nach Salzburg. Für fünf Tage wird die malerische Salzburger Altstadt zum Jazz-Hotspot. Auf 30 Bühnen präsentiert Jazz & The City 70 Konzerte – und das kostenlos. Eine beeindruckende Erfahrung, vor allem für Experimentierfreudige.

Im letzten Jahr war Radio Jazz Research in Salzburg zu Gast und konnte sich dort selbst von der Gastfreundschaft der Österreicherinnen und Österreicher vor Ort und von dem abwechslungsreichen Programm von Jazz & The City überzeugen.

Vom 16. bis zum 20. Oktober 2019 geht Jazz & The City nun in die nächste Runde. Weitere Informationen: https://www.salzburg-altstadt.at/de/salzburgjazz

39. Arbeitstagung in Graz (Zusammenarbeit mit dem Institut für Jazzforschung an der Kunstuniversität Graz) | 04. – 06. Juni 2020: Sozialgeschichte im Jazz – in Erinnerung an den Musiker und Musikwissenschaftler Ekkehard Jost

Campus der Kunstuniversität Graz | Foto: Wolfgang Hummer

Als in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts die Fundamente für Jazzforschung auch im deutschsprachigen Raum gelegt wurden, kam ein Grundstein in Graz, wo 1965 eines der ersten Institute in diesem Fach gegründet wurde, zu liegen und ein zweiter in Gießen, wo Ekkehard Jost (1938-2017) im Jahr 1973 zum Professor berufen wurde. Jost hatte im gleichen Jahr mit seiner Habilitationsschrift, der weltweit ersten musikwissenschaftlichen Untersuchung des „Free Jazz“, die bis dato vorherrschende musikwissenschaftliche Analyse durch sozialgeschichtliche Argumente erweitert und mit seinem Werkzeugkasten, in dem soziologische und historische Blickwinkel ebenso selbstverständlich enthalten waren wie psychologische oder physikalische, einem neuen, interdisziplinär geprägten Konzept der Musikwissenschaft jenseits des klassischen Kanons zum Durchbruch verholfen.

Bei allem Fortschritt, bei aller thematischen und methodischen Ausdifferenzierung, die das Fachgebiet Jazzforschung seither begleitet, ist Jost dem Institut seiner Grazer Kollegen bis an sein Lebensende verbunden geblieben, so verbunden, dass er bestimmte, dass sein musikwissenschaftlicher Nachlass an der Kunstuniversität Graz aufbereitet und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden soll. Die Feier zur offiziellen Eröffnung des Archivs ist der formale Höhepunkt, der 39. Arbeitstagung des Netzwerks Radio Jazz Research zum Thema „Sozialgeschichte im Jazz. In Erinnerung an den Musiker und Musikwissenschaftler Ekkehard Jost“ vom 4.-6. Juni 2020 in Graz. Zusammen mit dem Fachbereich Jazzforschung an der Kunstuniversität Graz hat Radio Jazz Research ein Tagungsprogramm zusammengestellt, das die Feier zur Archiv-Eröffnung aus unterschiedlichen Perspektiven ins Visier nimmt. Im Zentrum die kämpferische Wissenschaftler- und Musiker-Persönlichkeit Ekkehard Jost und die Musik, die er zu seiner machte: der Free Jazz. Eher persönlich geprägt ist der Ausgangspunkt des Vortrags des Gießener Journalisten Hans-Jürgen Linke, der zum Auftakt die Wirkungsmacht von Josts Schaffen in Sachen Musik, Forschung und Kulturpolitik in Gießen nachsinnt, während André Döhring, ein früherer Student und Mitarbeiter von Jost in Gießen, der heute den Fachbereich Jazzforschung an der Kunstuniversität Graz leitet, bei seiner Analyse die Wirkmacht der Forscherpersönlichkeit Jost fokussiert und der Pianist Dieter Glawischnig und der Posaunist Detlev Landeck im Gespräch mit Arne Schumacher ihre Scheinwerfer aus der Perspektive der künstlerischen Praxis auf den langjährigen Freunds und Musikerkollegen richten.

Aus philosophischer Perspektive diskutiert der Turiner Professor Alessandro Bertinetto den Begriff der ästhetischen Freiheit, den Jost in seiner Habilitationsschrift „Free Jazz“ mitentwickelt, Gerd Putschögl wendet Josts sozialhistorischen Blick auf aktuelle Tendenzen der Verbindung von Jazz und Flamenco an, während Maximilian Hendler den „Black Gospel“ auf Spuren ursprünglich katholischer, also überwiegend europäisch geprägter  Sakralmusik abklopft. Bernd Hoffmann richtet seinen Blick darauf, wie in den 1950-Jahren in außermusikalischen, journalistischen, musiktheoretischen oder fiktionalen Beiträgen zum Jazz-Diskurs in Text, Hörfunk oder Film anhand der Gegenüberstellung von Unterhaltungsfunktion und Kunstanspruch Mythologisierungen vollzogen werden.


Bildinformationen:
Campus der Kunstuniversität Graz | Foto: Wolfgang Hummer

38. Arbeitstagung in Remagen – „Wildcard“| 30. und 31. Oktober 2019

Gruppenfoto Remagen 2019

Tagungsprogramm

Mittwoch, 30.10.2019: 14.45 Uhr – 18.30 Uhr

14:30 Uhr        Ankunft
14:45 Uhr        Begrüßung durch Dr. Bernd Hoffmann, Vorsitzender Radio Jazz Research

15:00 Uhr        Sebastian Scotney:
“Lost in Translation” – A cross-cultural multi-lingual perspective on how we write about music.

Dieser Vortrag basiert auf Scotneys Erfahrung, Texte über Jazz aus dem Deutschen, Französischen und Niederländischen ins Englische zu übersetzen. Ihm sind dabei immer wieder einige soziale und kulturelle Unterschiede aufgefallen. In diesem Vortrag stellt er dar, wie Menschen in verschiedenen europäischen Ländern Musik kommentieren und erklären.

15:30 Uhr        Diskussion
15:45 Uhr        Pause

16:00 Uhr        Rainer Dollase: Warum gibt es so wenige Frauen im Jazz – und so viele in der Medizin?

16:30 Uhr        Diskussion
16:45 Uhr        Pause
17:30 Uhr        Abendessen

19:00 Uhr        Oliver Weindling im Gespräch mit Tina Heine, Christina Fuchs und Anke Steinbeck: Fortschritte – Rückschritte. Perspektiven im deutschen Jazz (Revisited)

Wenn nun unter dem Dach von Radio Jazz Research erneut eine Gesprächsrunde zum Titel „Fortschritte – Rückschritte. Perspektiven im deutschen Jazz“ geführt wird, geht es auch um eine aktualisierte Sicht auf nachhaltige Problemlagen. In diesem zweiten Panel zum Thema bringt Oliver Weindling drei weitere Protagonistinnen des aktuellen Jazzgeschehens in Deutschland (und des angrenzenden Österreich) ins Gespräch.

Donnerstag, 31.10.2019: 10.00 Uhr – 13.00 Uhr

10:00 Uhr        Stefan Hentz / Martin Laurentius: Riffs und Zeichen: Texte zu Jazz und anderer Musik

Stefan Hentz und Martin Laurentius gehen neue Wege zum Publizieren von Konzert- und Festivalkritiken.

10:30 Uhr        Diskussion
10:45 Uhr        Pause

11:00 Uhr        Thomas Olender: Der Crossover in den Billboard-Charts der 1950er Jahre

Das Billboard-Magazin unterteilte die Jahresendcharts in den 1950er Jahren in drei unterschiedliche Hitlisten (Pop, Country und R&B). Obwohl der Jazz dort keine explizite Nennung erhielt, findet sich diese improvisierte Musik in zahlreichen anderen Stilistiken und Genres.

11:30 Uhr        Diskussion
11:45 Uhr        Pause

12:00 Uhr        Michael Rüsenberg: „Jazz ist stets politisch“. Stimmt diese Aussage von Mark Turner? Und, hört man sie in seiner Musik?

Im November 2016 (Donald Trump ist gerade gewählt), vermutet der amerikanische Saxophonist Mark Turner im Gespräch mit der NZZ, „dass es wieder zu einer Politisierung der Kunst kommen wird.“ Das ist eine Überzeugung, die wie unter einem Brennglas den zentralen Inhalt des Politikverständisses weiter Teile der Jazzszene wiedergibt (s. Titel). „Allein schon der Entscheid, als Jazzmusiker zu leben, ist ein politisches Statement. Denn man entscheidet sich damit für Freiheit, für Emanzipation und gegen den Primat des materiellen Erfolgs“ (Turner)

Michael Rüsenberg unterzieht diese Position einer grundsätzlichen Kritik.

12:30 Uhr        Diskussion
13:00 Uhr        Mittagessen

37. Arbeitstagung in Diersbach | 06. und 07. Juni 2019: Festivals

Gruppenfoto Diersbach 2019

„Festivals – Konzepte, Profile, Schräglagen“

Mittwoch, 05.06.2019: 20:00 Uhr

20:00 Uhr       Empfang auf dem Festival-Bauernhof

Donnerstag, 06.06.2019: 14:45 Uhr – 19:00 Uhr

14:45 Uhr        Ankunft

15:00 Uhr        Begrüßung durch Paul Zauner, INNTöne-Festival, und Dr. Bernd Hoffmann, Vorsitzender Radio Jazz Research

15:15 Uhr        Der Jazz und sein Publikum. Aktuelle und historische Untersuchungen zu Festival-Besuchen
Lena Verneuer, Fritz Schmücker und Michael Rüsenberg

16:15 Uhr        Diskussion

16:30 Uhr        Pause

16:45 Uhr        Neue Räume, Formate und Konzepte. Gedanken zum Jazz-Festivalbetrieb der Gegenwart
Anke Steinbeck

17:15 Uhr        Diskussion

17:30 Uhr        Pause

17:45 Uhr        Standpunkt: Arne Schumacher im Gespräch mit Festivalmacher Reiner Michalke

18:30 Uhr        Diskussion

19:00 Uhr        Abendessen

Freitag, 07.06.2019: 10:00 Uhr – 13:00 Uhr

10:00 Uhr        Der Jazz und seine Festivals. Eine Diskussion mit Dan Ouellette (Jazzkritiker, Downbeat, Chicago), Tim Dickeson (Jazz Photographer, Jazzwise) und Klaus Widmann (Präsident und künstlerische Leiter, Südtirol Jazzfestival AltoAdige, Bozen)
Moderation: Arne Schumacher (Radio Bremen)

11:00 Uhr        Diskussion

11:15 Uhr        Pause

11:30 Uhr        „Wir senden live von den INNTönen“ – Jazzfestivals und die Medien
Bernd Hoffmann

12:00 Uhr        Diskussion

12:15 Uhr        Pause

12:30 Uhr        Vorstellung des Festivals INNTöne
Paul Zauner im Gespräch mit Oliver Weindling

13:00 Uhr        Mittagessen (Selbstzahler)


Foto: Kath. Pfarrkirche hl. Martin in Diersbach; von Peter Lauppert – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=42859127

Zwischen Optimismus und Dystopia – Labels im digitalen Zeitalter (Tagungsbericht)

RJR-Mitglied Stefan Hentz liefert einen detaillierten Bericht zur 36. Radio Jazz Research-Arbeitstagung, die am 3. und 4. Januar 2019 in Münster stattfand.

Lange Zeit prägten sie als Gatekeeper das jeweils aktuelle Gesicht des sich entfaltenden Jazz. Labels waren das Warenzeichen, das einen verlässlichen Geschmack, eine verlässliche Qualität verbürgten, und zugleich standen sie für den Willen zur Dauer, für die Entschlossenheit, über tagesaktuelle Hits und Trends hinaus ein mehr oder weniger breit gefächertes Labelprogramm aufzubauen und der – durchaus auch ökonomischen – Kraft dies auch zu tun. Geführt von leidenschaftlichen Gründern und Eigentümern (oder manchmal auch angestelltem Leitungspersonal) bieten Labels den Musikern ihres Vertrauens die Möglichkeit, ihre Pläne zu verwirklichen und ihre Musik zu veröffentlichen. Labels unterstützen bei der Realisierung dieser Pläne und bei der Entwicklung von Strategien das vorliegende Produkt zu den Interessenten, zu Hörern und Multiplikatoren zu bringen, helfen, kommerzielle Misserfolge zu verdauen und setzen mit ihrer Auswahl dessen, was sie fördern, bis heute die Standards dessen, was hip und heiß ist im Jazz. Manche Phasen und stilistische Zweige der Jazzgeschichte sind so eng mit der Arbeit bestimmter Labels verknüpft, dass der Labelname fast schon zum Synonym für bestimmte Klangvorstellungen geworden sind: Blue Note oder Prestige, Impulse oder ESP, Intakt oder FMP oder ECM – die Liste bleibt offen.

Mit dem Prozess der fortschreitenden Konzentration der Musikindustrie, tritt allerdings die Bedeutung der Labels, von denen viele mittlerweile als Untereinheiten der großen Unternehmen nur noch wenig mehr behalten haben als den vertrauten Namen, etwas zurück … [Weiterlesen]