33. Arbeitstagung in Remagen | 05. und 06. April 2018: Wildcard

33. Radio Jazz Research-Tagung

Tagungsort: Haus Humboldtstein Remagen

Tagungsprogramm:

Donnerstag, 05.04.2018: 15.00 Uhr – 20.00 Uhr

15:00 Uhr        Begrüßung

15:15 Uhr        Willem Strank:
Die Rolle des Jazz bei der Vertonung von Stummfilmen

Der Vortrag befasst sich mit der ad-hoc-Begleitung von Stummfilmen, der
tatsächlichen Performance-Situation eines Stummfilm-Pianisten im
Gegensatz zum Vertonungsprozess für Speichermedien. Nach einigen kurzen
allgemeinen Anmerkungen zur Begleitung von Stummfilmen in ihrer
klassischen Praxis (1895-1930) und zur Rolle des Jazz im Repertoire
dieser Zeit geht es vor allem um die zeitgenössische Praxis der
Stummfilmbegleitung und den Stellenwert, den Jazz bzw. jazz-artige
Spieltechniken dabei einnimmt bzw. einnehmen können. Dies geschieht aus
der Perspektive eines Stummfilmbegleiters, es geht also um den Prozess
der Lösung von ‚Problemen‘, die das filmische Material präsentiert und
wie diesen begegnet werden kann.

15:45 Uhr        Diskussion

16:00 Uhr        Pause

16:15 Uhr        Andreas Eichhorn:
New York – Facetten bei Leonard Bernstein. Ein musikalischer Streifzug
Leonard Bernstein, dessen Geburtstag sich in diesem Jahr zum hundertsten Male jährt, war zeitlebens mit der Stadt New York eng verbunden. Er hat sie nicht nur als Schauplatz dreier Broadway-Shows gewählt, die auch seine erfolgreichsten waren, sondern auch in anderen Werken thematisiert. Das von Bernstein entworfene New York-Bild ist musikalisch so facettenreich wie die Stadt selbst. Seine ambitionierte Musik, die die Musical-Komposition auf ein neues Niveau hob, zeichnet sich durch große Vielfalt hinsichtlich der Genres, Stile und Formen aus und ist vor allem deswegen so lebendig, weil es Bernstein gelungen ist, sie zum identifikatorischen Ausdruck eines Lebensgefühls zu machen (Giselher Schubert).

16:45 Uhr        Diskussion

17:00 Uhr        Arne Schumacher im Gespräch mit Stefanie Marcus, Lena Jeckel und Hendrika Entzian:
Fortschritte – Rückschritte. Perspektiven im deutschen Jazz
Der Fortschritt, sagt man, ist eine Schnecke. Oder vielmehr: ein Krebs. Die Vorstellung zumindest, dass sich die Dinge, die Kunst, Musik, die sozialen und zivilisatorischen Verhältnisse- langsam zwar – nach vorne zum Besseren bewege und immer weiter nach vorne, lässt sich schon lange nicht mehr halten. Der Fortschritt weicht aus, links, rechts, oder geht rasch ein, zwei Schritte zurück, bevor dann wieder einige Schritte voran folgen. Und was in vielen Fragen und Bereichen und im Allgemeinen zu gelten scheint, das gilt auch im Jazz.  –> Weiterlesen

17:30 Uhr        Diskussion

18:00 Uhr        Abendessen

20:00 Uhr        Mitgliederversammlung

20:30 Uhr        KurzfilmJohn Jack – ‚I improvised’“:
This is a short film by Oliver Weindling, put together with Leo Hoffmann, based on an extensive interview with John Jack, made with him in August 2017, just before he died at the age of 83. John Jack was a ‚Zelig‘ of the London jazz scene, starting around Soho from the 1950s onwards, especially managing Ronnie Scott’s Old Place, where he encouraged the new developments in the mid 1960s, with the likes of Mike Westbrook, John Surman, and the arrival of the Blue Notes from South Africa. He then started Cadillac Records, which distributed music ranging from dixieland through to Evan Parker and working closely with Hazel Miller of Ogun Records.

 

Freitag, 06.04.2018: 10.00 Uhr – 13.00 Uhr

09:30 Uhr        Gerhard Putschögl:
Zeitgenössische Stilentwicklungen: Jazz & Flamenco – Fusión
Das Zusammenwirken von Elementen des Jazz und der Flamencotradition brachte im Spanien der letzten 40 Jahre neue unverwechselbare Stilkreationen hervor. In diesem Vortrag werden sowohl die Entstehungszusammenhänge dieser unter dem Terminus „Flamenco Jazz“ subsumierten Stilformen wie auch kennzeichnende musikalische Merkmale derselben dargelegt. Dies geschieht im Wesentlichen anhand von beispielhaften Aufnahmen stilbildender Protagonisten.

10:00 Uhr        Diskussion

10:15 Uhr        Pause

10:30 Uhr        Bernd Hoffmann:
Der Amateur – Anmerkungen zur SWF-TV-Sendereihe „Jazz gehört und gesehen“
Die stark anwachsende mediale Präsentation des Jazz bestimmt die westdeutsche Geschichte dieser Musik während den 1950er Jahren: Immer neue Hörfunkreihen entstehen an öffentlich rechtlichen Rundfunkstationen (ARD), 1955 folgt dann die erste Sendereihe im Fernsehen, produziert vom Südwestfunk Baden-Baden. Ihr Moderator (und Produzent) ist der Hörfunk-Jazzredakteur Joachim Ernst Berendt. Mehrere Sendungen werden pro Jahr ausgestrahlt, bis 1974 werden es 85 Folgen sein.
Die Abbildung der westdeutschen Amateur-Jazz-Szene wird in sieben Folgen (1956-61) dieser Sendereihe thematisiert, sie portraitiert und veranschaulicht eine Laienmusik-Bewegung, die gegen Ende des Jahrzehnts geschätzte 50.000 Mitglieder in der Bundesrepublik zählt. Ausgangspunkt jeder Ausgabe ist das jährlich stattfindende Deutsche Amateur Jazz Festival in Düsseldorf, das die besten Amateur-Jazzer in den Kategorien Traditional und Modern sucht. Nach den Konzerten in Düsseldorf werden die dort ermittelten Gewinner in Studiokonzerten des Fernsehen in speziellen Besetzungen dokumentiert.
Diese Sendereihe bietet verschiedene Aspekte: Sie zeigt erste visuelle Konzepte „Jazz“ im westdeutschen Fernsehen zu „sehen“ (und zu „hören“). Sie präsentiert den Amateur in einer aufwendigen Filmsprache und interpretiert – als gesellschaftliche Aufwertungsstrategie – diesen Laienmusik-Gedanken in Richtung einer neuen Ernsten Musik.

11:00 Uhr        Diskussion

11:15 Uhr        Klaus Näumann:
A case of glocalization: Reggae in Belarus
Since the 1950s in countries of Eastern Europe (belonging to the Warsaw Pact) there exists (Western) popular music. Whereas in the beginning it was limited mostly to imitations of Western idols (Beatles, Elvis Presley, Bill Haley) in the 1970s and especially the 1980s specific versions of pop, rock and punk music developed, which more and more included local languages containing lyrics with strong connections to country-specific contexts. After the end of the Warsaw Pact (1989-1992) additional idioms of international popular music were taken up by Eastern European bands. One particular favorite style is reggae music. Besides various eastern European countries (Russia, Poland etc.) reggae music is played also by Belarusian bands that perform their songs either in the Russian or in the Belarusian language. The focus of my presentation is on the growing importance of reggae music in Eastern Europe in general and in Belarus in particular. This will be done by presenting certain bands, their songs, lyrics and the adaptation or glocalization of reggae music and Rastafarian ideas to „Belarusian life“, which of course differs in many respects from Jamaica.

11:45 Uhr        Diskussion

12:30 Uhr        Mittagessen


Foto: GFreihalter via Wikimedia (CC BY-SA 3.0)