Remagen | 05. und 06. April 2018: Wildcard

Remagen Haus Humboldtstein (Von GFreihalter - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16045578)

33. Radio Jazz Research-Tagung

Robert von Zahn (Landesmusikrat NRW) im Gespräch mit Lena Jeckel (Bunker Ulmenwall)
Wie wirksam ist der Kulturförderplan NRW? (Klicken für Details)

Seit 2015 regelt ein Kulturfördergesetz die Förderung des Kulturlebens durch die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen. Mit Einführung des Gesetzes hat sich diese auch auferlegt, einen Kulturförderplan zu erarbeiten und parlamentarisch abzusprechen. Eine kulturpolitische Neuerung, welche die Kunstszenen in NRW mit gespannter Erwartung begleiten.
Das Kulturministerium erarbeitete den Entwurf eines Kulturförderplans und diskutierte diesen auf einer Konferenz in Recklinghausen mit vielen Kulturschaffenden und Vertretern von Kulturinstitutionen. Ein prioritäres Handlungsfeld des Plans gilt der Förderung der freien Kunstszenen. Nun sind die Jahre 2016 bis 2018 durch den veröffentlichten Plan strukturiert.
Selten fallen in einem Gesetz und in einem Förderplan so oft die Begriffe Künstlerförderung, freie Kunstszenen und Jazz. Zum Zeitpunkt der Remagener Radio Jazz Research Tagung werden gut zwei Jahre des ersten Kulturförderplans ins Land gegangen sein. Eine gute Zeit zu fragen, was für den Jazz erreicht worden ist. Zeichnet sich eine Stärkung der freien Jazzszene in NRW ab, verbessern sich die Rahmenbedingungen? Wie ließe sich der Plan optimieren? Darüber sprechen Lena Jeckel, Geschäftsführerin des Bunkers Ulmenwall Bielefeld, und Robert v. Zahn, Generalsekretär des Landesmusikrats NRW.
Nachstehend ein Auszug aus dem Ersten Kulturförderplan für NRW.

Erster Kulturförderplan für NRW (2016 – 2018)
gem. § 22 des Gesetzes zur Förderung und Entwicklung der Kultur, der Kunst und der kulturellen Bildung in Nordrhein-Westfalen (Kulturfördergesetz NRW – KFG)

[S. 6] Planschwerpunkte 2.1 Individuelle Künstlerinnen- und Künstlerförderung

Kulturpolitische Ziele
Die individuelle Künstlerinnen- und Künstlerförderung ist das zentrale Instrument, um Kreativität und künstlerische Innovationen zu ermöglichen und zu stärken. Außerdem trägt sie maßgeblich dazu bei, Künstlerinnen und Künstlern in NRW eine gute Arbeits- und Lebensperspektive zu bieten. Neben der direkten Förderung von Einzelpersonen (z.B. durch Residenzen, Stipendien und Preise) ist die mittelbare Förderung im Sinne einer Verbesserung der Rahmenbedingungen für die professionelle künstlerische und kreative Tätigkeit insgesamt von entscheidender Bedeutung. Eine breite aktive und vielfältige Kunstszene ist neben Akademien, Museen, Theatern, Medienkunstzentren, Orchestern, Literaturhäusern und Kunstvereinen die beste Voraussetzung für die individuelle Entwicklung von Künstlerinnen und Künstlern, um sich national und international durchzusetzen und Kunst aus NRW weltweit zu präsentieren. Gleichzeitig bildet die Förderung einer virulenten Kunstszene die Basis für Kultur- und Kreativwirtschaft und den Kultur- und Kreativstandort NRW.

Künstlerinnen und Künstler sollen noch bessere Möglichkeiten erhalten, sich in NRW weiter zu entwickeln, hier ihren Lebensunterhalt zu sichern und in geeigneten Räumen und Gemeinschaften zu arbeiten. Dafür sollen die vorhandenen Maßnahmen der individuellen Künstlerinnen- und Künstlerförderung gebündelt, optimiert und teilweise neu ausgerichtet werden. Daneben ist beabsichtigt, neue, innovative Förderansätze zu entwickeln und umzusetzen. Insgesamt soll die Kunst- und Kulturszene urbaner ausgerichtet werden – zum Teil, insbesondere im Ruhrgebiet, findet dies bereits statt: Freie Produktionshäuser, Festivals, die Programme der Urbanen Künste, Subkultur, Soziokultur und Off-Künstler haben beispielsweise die enormen Möglichkeiten von Produktionsstätten mit Leerstand und die potentiellen Freiräume denkmalgeschützter Industriehallen erkannt. Dieses Potential soll für die Entwicklung der Kulturszene noch stärker genutzt werden.

Ein wichtiger Faktor wird außerdem sein, die besonderen Möglichkeiten und Freiräume, die die Kulturszene in NRW für Künstlerinnen und Künstler bietet, im Sinne eines „Markenzeichens“ bekannt zu machen und aktiv zu bewerben.

Geplante Umsetzung
Beabsichtigt ist zum einen den Aufbau einer neuen Plattform zu fördern, die die wichtigen Kultureinrichtungen mit ihren Ressourcen und Kontakten in ein landesweites spartenübergreifendes Netzwerk einbindet und als zentrale Anlaufstruktur dient. Diese Plattform, die zunächst als Internetportal realisiert werden soll, soll die vielfältigen Unterstützungsmöglichkeiten des Landes zusammenführen, zugänglich machen und auch Schnittstellen zur Wirtschaft sowie zur Wissenschaft herstellen. Tragende Säulen und regional verteilte Netzwerkknotenpunkte dieser Struktur sollen bestehende Einrichtungen sein (insbesondere die Landeskulturbüros, die NRWKultursekretariate, die Stiftung Künstlerdorf Schöppingen, das Kunsthaus NRW Kornelimünster, PACT Zollverein und Schloss Ringenberg), die sich vor allem mit renommierten Kultureinrichtungen (wie Theatern, Orchestern, Museen, Bibliotheken und Literaturhäusern) sowie untereinander eng vernetzen. Gemeinsam sollen dadurch neue Möglichkeiten der Förderung und Unterstützung begabter Nachwuchskräfte aller Sparten geschaffen werden (beispielsweise durch Fellowships bei den Einrichtungen).

Das Netzwerk – mit zentraler Anlaufstruktur – soll vor allem folgende Funktionen wahrnehmen:
• Aktivitäten vorhandener Förderinitiativen und Kultureinrichtungen in NRW bündeln und vernetzen,
• Maßnahmen durch Kommunikation und Kooperation wechselseitig und zum beiderseitigen Vorteil (Institution, Künstlerinnen und Künstler) fruchtbar machen,
• Informations-, Beratungs-, Anlaufstelle für Künstlerinnen und Künstler aus NRW sein,
• Künstler- und Künstlerinnenförderung in NRW stärker sichtbar machen,
• neue Aspekte und Instrumente integrieren, die an aktuelle Bedürfnisse anknüpfen. Gemeint sind damit insbesondere interdisziplinäre Projekte, die themenbezogen im Kontext der großen gesellschaftlichen Herausforderungen (z.B. Klimawandel, Migration, Zuwanderung) stattfinden,
• herausragende Beispiele der Nachwuchskunst präsentieren,
• mittel- bis langfristig Aktivitäten der Städte und Gemeinden einbeziehen.

[…] Im Stadtgarten Köln ist beabsichtigt, einen Produktionsort für Jazz und improvisierte Musik, zu schaffen und zu fördern, der künstlerische Potentiale insbesondere von Nachwuchskünstlerinnen- und –künstlern bündeln und binden, ihnen Präsentationsmöglichkeiten bieten und Kooperationen stiften soll.

 

Oliver Weindling
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Weitere Informationen folgen.


Foto: GFreihalter via Wikimedia (CC BY-SA 3.0)