LondonJazzNews: Rückblick auf 35. Radio Jazz Research-Tagung

RJR-Mitglied Sebastian Scotney schreibt in seinem Blog «LondonJazzNews» über die 35. Radio Jazz Research-Tagung in Salzburg:

«The conferences of the Radio Jazz Research group provide a useful point of confluence between people promoting and presenting jazz – such as jazz broadcasters, festival and concert promoters – and current academic research. And this 35th session in Salzburg in October 2018 gave those of us outside the academic world a useful window into it.»

Der vollständige Artikel ist hier zu finden: http://www.londonjazznews.com/2018/10/report-35th-conference-of-radio-jazz.html?m=1

35. Arbeitstagung in Salzburg | 18. und 19. Oktober 2018: Improvisation. Neue Perspektiven

„Improvisation. Neue Perspektiven“ Tagungsprogramm

 Donnerstag, 18.10.2018: 15.00 Uhr – 18.15 Uhr

15:00 Uhr       Begrüßung durch Tina Heine, künstlerische Leiterin des Festivals „Jazz & The City“, und Bernd Hoffmann, Vorsitzender von Radio Jazz Research

15:15 Uhr       Michael Rüsenberg:
Heraus aus dem Jazz – Improvisation, eine Qualität des Lebens

15:45 Uhr       Diskussion
16:00 Uhr       Pause

16:15 Uhr       Gerhard Putschögl:
Paraphrasierendes Variieren als universelle musikalische und sprachliche Improvisation

16:45 Uhr       Diskussion
17:00 Uhr       Pause

17:15 Uhr       Iwan Wopereis:
What Experts think of Improvisation – a survey among RJR Members

17:45 Uhr       Diskussion
19:00 Uhr       Abendessen

Freitag, 19.10.2018: 10.00 Uhr – 13.00 Uhr

10:00 Uhr       Raymond MacDonald
Notes from the Psychology of Improvisation

10:30 Uhr       Diskussion
10:45 Uhr       Pause

11:00 Uhr       Klaus Frieler
Dig that Note – Die Weimar Jazz Database

11:30 Uhr       Diskussion
11:45 Uhr       Pause

12:00 Uhr       Georg Bertram
Man kann nicht Nicht-Improvisieren

12:30 Uhr       Diskussion
13:30 Uhr       Mittagessen

Wer nach Deutschland gegen Südkorea 0:2 noch bereit ist, über zwei Halbzeiten bzw. zwei Chorusse hinaus zu denken, der wurde am 27.6.18 um eine Erkenntnis reicher: die Volatilität des Gelingens der Löw-Mannschaft würde kein Jazzmusiker akzeptieren (und auch niemand unter seinen Hörern).
Selbst in einem Bereich, den die meisten für die Heimat der Improvisation halten, wo Improvisation als „Herzblut“ gilt, als „primäres Merkmal“, wäre das der Improvisation (und des Risikos) zuviel.
Gibt es eine bessere Voraussetzung für die RJR-Tagung „Improvisation. Neue Perspektiven“ in Salzburg?

Dahinter verbergen sich aber auch uralte Erkenntnisse: Improvisation ist viel älter als der Jazz, sie ist, wie Michael Rüsenberg zeigen wird, „eine Qualität des Lebens“. Er zieht eine Quersumme aus eigenen Recherchen vom Film, vom Fußball, von der Politik bis zur Chirurgie, wo ein HNO-Arzt sagt: „Wer die Ohrspeicheldrüse operieren will, muss improvisieren können.“

Iwan Wopreis (Open University NL) präsentiert eine brandaktuelle Studie unter RJR-Mitgliedern, in der er zeigen wird, „how you as a group of jazz experts regard improvisational expertise“.
Der bekannte Musikpsychologe Raymond MacDonald (University of Edinburgh) stellt Erkenntnisse aus seinem Bereich der Improvisationsforschung dar; er wird u.a. von Jazzmusikern in Glasgow berichten, die zu den TV-Bildern der WM 2018 improvisiert haben.

Was in einer Improvisation wirklich passiert, welcher Ton in welcher Kombination mit anderen erklingt, weiß keiner besser als Klaus Frieler. Er stellt die Weimar Jazz Database vor, eine Sammlung von 500 Jazzsoli, in der computer-gestützt analysiert werden kann wie nie zuvor.

Und schließlich Georg Bertram (FU Berlin). Der Philosoph verfügt, neben Alessandro Bertinetto, über die am besten ausgearbeitete Theorie der Improvisation. Sie führt weit, weit aus dem Jazz heraus. Bertram wird zeigen „Man kann nicht Nicht-Improvisieren!“.


Foto: Die Altstadt von Salzburg. Blick vom Mönchsberg auf die Festung Hohensalzburg und auf die Salzburger Altstadt. (Rechte: Free Art License 1.3)

Jazz & The City Salzburg steht unter dem Motto «Let’s Get Lost»

In einer Zeit, in der uns der Mut zum Abenteuer abhanden zu gekommen scheint, in der man sich von Trip Advisor sagen lässt, wohin man reisen mag, der Wetter-App mehr vertraut als der Nase im Wind, in der man Partner nach Filtern auf Portalen sucht und Spotify uns sagt, welche Songs unbedingt in die eigene Playlist gehören, lädt das Jazz & The City Festival unter dem Motto «Let’s Get Lost» vom 17.-21.10.2018  ein, seine Filterblasen zu verlassen und sich treiben zu lassen.

Die 19. Ausgabe des Festivals für Jazz, World & Electronic Music wandelt die Salzburger Altstadt in eine Stätte der Ideen. Über 40 Orte werden an 5 Tagen von über 200 MusikerInnen aus aller Welt mit 100 Konzerten neu gestaltet – alle bei freiem Eintritt. Neben festen Programmpunkten gibt es eine Reihe „Blind Dates“ – Konzerte, bei denen oft bis kurz vor Beginn noch nicht feststeht, wer spielen wird.

Instinkt, Neugierde, Spontanität und ein offenes Herz für unerwartete Begegnungen mit Musik, guten Leuten und guten Orten sind die Ingredienzien für ein Festival, das man nicht so schnell vergisst!

Das vollständige Programm: salzburgjazz.com

Radio Jazz Research in Salzburg: Tagung

Radio Jazz Research lädt nach Salzburg ein

Am 18. und 19. Oktober trifft sich der Radio Jazz Research e.V. zu seiner 35. Arbeitstagung in Salzburg. Thema dort wird Improvisation sein. RJR-Mitglied Michael Rüsenberg hat ein Programm zusammengestellt, das Improvisation als ein Phänomen begreift, das sich auf viele (oder gar alle?) Lebensbereiche erstreckt. Wir werden uns dahingehend intensiv mit der Improvisation im Jazz beschäftigen, aber auch bewusst den Blick öffnen.

Die Tagung in Salzburg wird möglich durch eine Kooperation mit dem Festival «Jazz & The City», das vom 17. bis 21. Oktober in Salzburg stattfinden wird. Tina Heine, RJR-Mitglied und künstlerische Leiterin des Festivals, unterstützt den Verein in der Realisierung der Tagung ganz erheblich. Dafür möchten wir ihr an dieser Stelle ausdrücklich danken!

Mitglieder von Radio Jazz Research können sich noch bis Ende Juli zur Tagung anmelden. Wer Interesse an einer Mitgliedschaft im Verein hat, kann sich per Mail an hoffmann[at]radiojazzresearch.de wenden.

34. Arbeitstagung in Lübeck | 31. Mai bis 2. Juni 2018: Humor im Jazz

Gruppenfoto Lübeck, 01.06.2018

Bernd Hoffmann (Köln)
Das „swingende“ Zäpfchen des Cab Calloway. Humoristische Abbildungen im Musical Short der 1930er Jahre (Klicken für Details)

Mit dem Beginn der Tonfilm-Ära entwickelt sich ein kommerzielles Kurzfilm-Format, das neben anderen journalistischen Themenfeldern auch Repertoire der US-amerikanischen populären Musik abbildet. Die musikalische Bandbreite lässt sich auf bis zu zwanzig stilistische Repertoirefelder differenzieren. Diese Musical Shorts, in ihrer meist zehnminütigen Darstellungspraxis den heuten Videoclips durchaus ähnlich, basieren auf der gleichzeitigen Produktion von Bild und Ton. 14 größere Produktionsfirmen wie Columbia, Educational, Fox, MGM, Paramount, Pathé/RKO, Pathé, Universal und Warner Bros./Vitaphone beliefern bereits 1929 über 5000 Filmtheater der USA mit Tonfilmen.

Ein wenig beachtetes Repertoire im Produktionsfeld der Musical Shorts sind Animationsfilme, die heute teilweise zensiert, einen ausgiebigen Blick auf die problematische Darstellung von Musikerinnen und Musikern jener Zeit erlauben. Sowohl weiße als auch wenige schwarze Improvisatoren werden in ihren Jazz-Präsentationen überzeichnet und karikierend porträtiert. Vor allem bei der Vorstellung afro-amerikanischer Künstlern wie Cab Calloway, Fats Waller oder Louis Armstrong lässt sich ein starker rassistischer Einschlag beobachten: Unter dem Deckmantel des „Humors“  leben die Konventionen des Minstrelsy weiter, deren visuelles Markenzeichen – Blackface – den agierenden Improvisatoren im animierten Musical Short „übergestülpt“ wird. Diese optische Zuschreibung wird durch die teilweise clowneske Rezeption des frühen USA-Jazz verstärkt, die für die 1930er Jahre besonders typisch ist.

Götz Bühler
Der Witz und der Jazz

Konstantin Jahn
Jazzkritik: Jazz und die Humorlosigkeit seiner Anhänger

Odilo Clausnitzer
Vote Dizzy – Dizzy Gillespies Kampagne zur US-Präsdentschaftswahl 1964

Marcus Bartelt
Django Bates und der britische Humor. Eine Erkundung

Michael Rüsenberg
Jazz und Humor – Fundstücke entlang des Weges nach Lübeck


Perspektiven im deutschen Jazz | Diskussionsrunde bei der 33. RJR-Arbeitstagung

In der Gesprächsrunde „Fortschritte – Rückschritte – Perspektiven des deutschen Jazz“ bringt Arne Schumacher drei Protagonistinnen der aktuellen deutschen Jazzszene ins Gespräch, die in Hamburg und Köln ausgebildete Bassistin und Komponistin Hendrika Entzian, die Produzentin Stefanie Marcus von dem erfolgreichen Berliner Label „Traumton“ sowie Lena Jeckel, künstlerische Leiterin des Bunker Ulmenwall in Bielefeld.

Zur Einstimmung: ein Beitrag von RJR-Mitglied Stefan Hentz

33. Arbeitstagung in Remagen | 05. und 06. April 2018: Wildcard

33. Radio Jazz Research-Tagung

Tagungsort: Haus Humboldtstein Remagen

Der Tagungsbericht von Stefan Hentz:

„Wildcard“ – so sehr es eine schwierige Übung sein kann, die groben Gesprächslinien einer Tagung ohne vorgegebenes thematisches Zentrum nachzuverfolgen, so selbstverständlich ergaben sich bei „Wildcard“, der 33. Tagung von Radio Jazz Research am 5./6. April 2018 in Remagen-Rolandseck diskursive Schnittpunkte, die das Tagungsgespräch immer wieder strukturierten: Einer dieser Schnittpunkte war die Verbindung zwischen bestimmten Regionen und lokal vorherrschenden Spielarten von Jazz oder Jazzverwandtem. Städte sind die Orte, an denen sich die Entwicklung des Jazz abspielt, nur in Städten, größeren und kleineren und jedenfalls konkreten Städten, kann die kritische Masse an Talent, Ideen, Wagemut und Geschäftssinn entstehen, nur in Städten sind die Voraussetzungen gegeben für die eruptiven Begegnungen und Verschmelzungsprozesse, die dem Jazz bis in die Gegenwart seine lokalen Spielarten oder markanten Entwicklungssprünge bescherten. Während Andreas Eichhorn untersuchte, wie Leonard Bernstein als Komponist von Musicals wie „On the Town“ (1944) „Wonderful Town“ (1953), und der „West Side Story“ (1957) immer wieder versuchte, den Klang jener neuen Musik, die in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts vor allem auf den Tanzböden und in den eher afroamerikanisch geprägten Bezirken von New York zunehmend Aufsehen erregte, auf den weitaus populäreren Bühnen der Broadway-Theater zusätzliche Popularität zukommen zu lassen, griff Oliver Weindling mit seiner Vorführung eines Interviewfilms über die Geschichte der ersten Inkarnation von „Ronnie Scott’s Jazz Club“, des wohl bedeutendsten und dauerhaftesten Jazzclubs von London, den er mit Unterstützung von Leo Hoffmann im vergangenen Jahr mit John Jack, einem kürzlich gestorbenen Urgestein der Londoner Jazzszene und über mehr als fünf Jahrzehnte unermüdlichen Zeitzeugen realisiert hatte, in den Werkzeugkasten der klasssischen Oral History. Zugleich dokumentierte dieser Film in schöner Klarheit, wie auch dem Medium Dokumentarfilm Darstellungsgrenzen innewohnen, die bei aller Einfühlung und Ernsthaftigkeit seinen Anspruch auf Wahrhaftigkeit relativieren.

Später schweifte der Fokus der Tagung in Gerhard Putschögls Erörterung von aktuellen Ansätzen zur Verschmelzung von Jazz und Flamenco im Geiste von „Dzuende“ und 12/8-Takts in die andalusische Metropole Sevilla, und Klaus Näumann stieß in der Reggae-Szene von Minsk, der Hauptstadt der Republik Belarus, auf genau jenen subkulturellen Widerstandsgeist und den Willen zur Subversion vorherrschender ästhetischer Ausdrucksformen, die dem Jazz so häufig zugeschrieben werden.

Ein zweiter thematischer Strang der RJR-Tagung wand sich um das Verhältnis von Jazz zu den Medien, in denen er an die Öffentlichkeit tritt: Willem Strank untersuchte die funktionalen Felder zwischen historisierendem Re-Enactment und kreativer Neukalibrierung,  die jazzgemäß improvisierte Musik im Verlauf der Filmgeschichte als musikalisches Begleitmaterial zu Stummfilmen öffnet, während Bernd Hoffmann in seinen Betrachtungen über die SWF-TV-Sendereihe „Jazz gehört und gesehen“ nachverfolgt, wie sich gegen Ende der 1950er-Jahre das Verhältnis zwischen „professionellen“ Jazzmusikern und den in der Nachkriegszeit zunächst hochgeschätzten, engagierten „Amateuren“ in Richtung einer – von Seiten der „Profis“ erbittert geführten – Auseinandersetzung um den Zugang zu den raren Fördertöpfen verschob, während umgekehrt die publizistischen Unterstützer eines als „authentisch“ verklärten Amateurismus in ihrer Verdammung der Professionalisierung des Jazz und der damit verbundenen stilistischen Fortentwicklung nicht mit rassistischen Klischees sparten.

Höhepunkt der Tagung, in dem auf zauberhafte Art und Weise, die verschiedenen Fäden zueinander fanden, war schließlich das Podiumsgespräch zum Thema „Fortschritte – Rückschritte. Perspektiven im deutschen Jazz“, in dem Arne Schumacher als Moderator den Stand der Dinge in Sachen Jazz in Deutschland in den sehr unterschiedlichen Perspektiven der Bassistin und Komponistin Hendrika Entzian, von Stefanie Marcus, die seit mehr als fünfundzwanzig Jahren das wagemutige Berliner Label „Traumton“ betreibt und von Lena Jeckel, der künstlerischen Leiterin des Bielefelder Clubs Bunker Ulmenwall, dreidimensional auffächerte. Allein das Geflecht der Berührungspunkte zwischen Labelchefin, einer der vielen von ihr vertretenen Musikerinnen und der Bookerin eines der renommiertesten Jazzclubs in Deutschland, die wiederum viele der KünstlerInnen des Traumton-Labels und auch die Bassistin Hendrika Entzian gerne und häufig engagiert ist ein Zeichen für die fortschreitende Vernetzung in der Szene, die nach der Wirkungsweise kurzer Kommunikationswege Zusammenarbeiten ermöglichen kann, die so vielleicht einige Jahrzehnte zuvor noch nicht denkbar gewesen wären. Dabei verwahrten sich die drei Frauen auf dem Podium (vielleicht etwas vorschnell, aus der Position derjenigen, für die ihr Geschlecht in diesem Business nie ein Hindernis dargestellt habe) dagegen, den Umstand, dass hier drei Frauen nebeneinander auf dem Podium saßen, in eine Quotendiskussion umzumünzen. So wollen sie nicht wahrgenommen werden, wer würde das auch wollen. Unisono begrüßten sie dagegen das Entstehen neuer Förderwege für den Jazz, seine ProtagonistInnen und die OrganisatorInnen im Vor- und Umfeld. Allerdings, so unterstrich die Bielefelder Clubleiterin Lena Jeckel, seien neue Förderideen sehr häufig einseitig auf die urbanen Zentren gezielt, auf Berlin beispielsweise oder – für ihren Arbeitsbereich entscheidender – auf Köln. Und so sehr sie auch das Engagement der nachwachsenden Musikergenerationen aus Köln im Bereich der Session-Arbeit des Bunker begrüßt, dort also, wo Musiker nichts verdienen und Clubs nur draufzahlen, muss sie doch beklagen, dass die vergrößerten Fördertöpfe für die überregional zielenden Veranstaltungsangebote keinen Trickle-Down-Effekt für die regionale Basisarbeit erzeugen. In Bielefeld und all den anderen kleineren, urbanen Zentren, so lässt sich schlussfolgern, hat sich offenbar nichts gebessert. Es bleibt noch viel zu tun.

 

Das Tagungsprogramm:

Donnerstag, 05.04.2018: 15.00 Uhr – 20.00 Uhr

15:00 Uhr        Begrüßung

15:15 Uhr        Willem Strank:
Die Rolle des Jazz bei der Vertonung von Stummfilmen

Der Vortrag befasst sich mit der ad-hoc-Begleitung von Stummfilmen, der
tatsächlichen Performance-Situation eines Stummfilm-Pianisten im
Gegensatz zum Vertonungsprozess für Speichermedien. Nach einigen kurzen
allgemeinen Anmerkungen zur Begleitung von Stummfilmen in ihrer
klassischen Praxis (1895-1930) und zur Rolle des Jazz im Repertoire
dieser Zeit geht es vor allem um die zeitgenössische Praxis der
Stummfilmbegleitung und den Stellenwert, den Jazz bzw. jazz-artige
Spieltechniken dabei einnimmt bzw. einnehmen können. Dies geschieht aus
der Perspektive eines Stummfilmbegleiters, es geht also um den Prozess
der Lösung von ‚Problemen‘, die das filmische Material präsentiert und
wie diesen begegnet werden kann.

15:45 Uhr        Diskussion

16:00 Uhr        Pause

16:15 Uhr        Andreas Eichhorn:
New York – Facetten bei Leonard Bernstein. Ein musikalischer Streifzug
Leonard Bernstein, dessen Geburtstag sich in diesem Jahr zum hundertsten Male jährt, war zeitlebens mit der Stadt New York eng verbunden. Er hat sie nicht nur als Schauplatz dreier Broadway-Shows gewählt, die auch seine erfolgreichsten waren, sondern auch in anderen Werken thematisiert. Das von Bernstein entworfene New York-Bild ist musikalisch so facettenreich wie die Stadt selbst. Seine ambitionierte Musik, die die Musical-Komposition auf ein neues Niveau hob, zeichnet sich durch große Vielfalt hinsichtlich der Genres, Stile und Formen aus und ist vor allem deswegen so lebendig, weil es Bernstein gelungen ist, sie zum identifikatorischen Ausdruck eines Lebensgefühls zu machen (Giselher Schubert).

16:45 Uhr        Diskussion

17:00 Uhr        Arne Schumacher im Gespräch mit Stefanie Marcus, Lena Jeckel und Hendrika Entzian:
Fortschritte – Rückschritte. Perspektiven im deutschen Jazz
Der Fortschritt, sagt man, ist eine Schnecke. Oder vielmehr: ein Krebs. Die Vorstellung zumindest, dass sich die Dinge, die Kunst, Musik, die sozialen und zivilisatorischen Verhältnisse- langsam zwar – nach vorne zum Besseren bewege und immer weiter nach vorne, lässt sich schon lange nicht mehr halten. Der Fortschritt weicht aus, links, rechts, oder geht rasch ein, zwei Schritte zurück, bevor dann wieder einige Schritte voran folgen. Und was in vielen Fragen und Bereichen und im Allgemeinen zu gelten scheint, das gilt auch im Jazz.  –> Weiterlesen

17:30 Uhr        Diskussion

18:00 Uhr        Abendessen

20:00 Uhr        Mitgliederversammlung

20:30 Uhr        KurzfilmJohn Jack – ‹I improvised’“:
This is a short film by Oliver Weindling, put together with Leo Hoffmann, based on an extensive interview with John Jack, made with him in August 2017, just before he died at the age of 83. John Jack was a ‹Zelig› of the London jazz scene, starting around Soho from the 1950s onwards, especially managing Ronnie Scott’s Old Place, where he encouraged the new developments in the mid 1960s, with the likes of Mike Westbrook, John Surman, and the arrival of the Blue Notes from South Africa. He then started Cadillac Records, which distributed music ranging from dixieland through to Evan Parker and working closely with Hazel Miller of Ogun Records.

 

Freitag, 06.04.2018: 10.00 Uhr – 13.00 Uhr

09:30 Uhr        Gerhard Putschögl:
Zeitgenössische Stilentwicklungen: Jazz & Flamenco – Fusión
Das Zusammenwirken von Elementen des Jazz und der Flamencotradition brachte im Spanien der letzten 40 Jahre neue unverwechselbare Stilkreationen hervor. In diesem Vortrag werden sowohl die Entstehungszusammenhänge dieser unter dem Terminus «Flamenco Jazz» subsumierten Stilformen wie auch kennzeichnende musikalische Merkmale derselben dargelegt. Dies geschieht im Wesentlichen anhand von beispielhaften Aufnahmen stilbildender Protagonisten.

10:00 Uhr        Diskussion

10:15 Uhr        Pause

10:30 Uhr        Bernd Hoffmann:
Der Amateur – Anmerkungen zur SWF-TV-Sendereihe „Jazz gehört und gesehen“
Die stark anwachsende mediale Präsentation des Jazz bestimmt die westdeutsche Geschichte dieser Musik während den 1950er Jahren: Immer neue Hörfunkreihen entstehen an öffentlich rechtlichen Rundfunkstationen (ARD), 1955 folgt dann die erste Sendereihe im Fernsehen, produziert vom Südwestfunk Baden-Baden. Ihr Moderator (und Produzent) ist der Hörfunk-Jazzredakteur Joachim Ernst Berendt. Mehrere Sendungen werden pro Jahr ausgestrahlt, bis 1974 werden es 85 Folgen sein.
Die Abbildung der westdeutschen Amateur-Jazz-Szene wird in sieben Folgen (1956-61) dieser Sendereihe thematisiert, sie portraitiert und veranschaulicht eine Laienmusik-Bewegung, die gegen Ende des Jahrzehnts geschätzte 50.000 Mitglieder in der Bundesrepublik zählt. Ausgangspunkt jeder Ausgabe ist das jährlich stattfindende Deutsche Amateur Jazz Festival in Düsseldorf, das die besten Amateur-Jazzer in den Kategorien Traditional und Modern sucht. Nach den Konzerten in Düsseldorf werden die dort ermittelten Gewinner in Studiokonzerten des Fernsehen in speziellen Besetzungen dokumentiert.
Diese Sendereihe bietet verschiedene Aspekte: Sie zeigt erste visuelle Konzepte „Jazz“ im westdeutschen Fernsehen zu „sehen“ (und zu „hören“). Sie präsentiert den Amateur in einer aufwendigen Filmsprache und interpretiert – als gesellschaftliche Aufwertungsstrategie – diesen Laienmusik-Gedanken in Richtung einer neuen Ernsten Musik.

11:00 Uhr        Diskussion

11:15 Uhr        Klaus Näumann:
A case of glocalization: Reggae in Belarus
Since the 1950s in countries of Eastern Europe (belonging to the Warsaw Pact) there exists (Western) popular music. Whereas in the beginning it was limited mostly to imitations of Western idols (Beatles, Elvis Presley, Bill Haley) in the 1970s and especially the 1980s specific versions of pop, rock and punk music developed, which more and more included local languages containing lyrics with strong connections to country-specific contexts. After the end of the Warsaw Pact (1989-1992) additional idioms of international popular music were taken up by Eastern European bands. One particular favorite style is reggae music. Besides various eastern European countries (Russia, Poland etc.) reggae music is played also by Belarusian bands that perform their songs either in the Russian or in the Belarusian language. The focus of my presentation is on the growing importance of reggae music in Eastern Europe in general and in Belarus in particular. This will be done by presenting certain bands, their songs, lyrics and the adaptation or glocalization of reggae music and Rastafarian ideas to «Belarusian life», which of course differs in many respects from Jamaica.

11:45 Uhr        Diskussion

12:30 Uhr        Mittagessen


Foto: GFreihalter via Wikimedia (CC BY-SA 3.0)