Ein Videoprojekt von Radio Jazz Research-Mitglied Jörg Heyd.
Jazz & The City Salzburg | 16. – 20. Oktober 2019

Im Oktober schaut die Jazzwelt wieder nach Salzburg. Für fünf Tage wird die malerische Salzburger Altstadt zum Jazz-Hotspot. Auf 30 Bühnen präsentiert Jazz & The City 70 Konzerte – und das kostenlos. Eine beeindruckende Erfahrung, vor allem für Experimentierfreudige.
Im letzten Jahr war Radio Jazz Research in Salzburg zu Gast und konnte sich dort selbst von der Gastfreundschaft der Österreicherinnen und Österreicher vor Ort und von dem abwechslungsreichen Programm von Jazz & The City überzeugen.
Vom 16. bis zum 20. Oktober 2019 geht Jazz & The City nun in die nächste Runde. Weitere Informationen: https://www.salzburg-altstadt.at/de/salzburgjazz
Tagungsbericht auf londonjazznews.com zur 37. RJR-Tagung
Radio Jazz Research-Mitglied Sebastian Scotney liefert für London Jazz News einen Bericht zur Tagung, die Anfang Juni in Diersbach stattfand. Thema: „Festivals – Konzepte, Profile, Schräglagen“. Der englischsprachige Artikel ist hier zu finden: Radio Jazz Research meeting on Jazz and Festivals in Diersbach, Austria
Paul Zauner erhält die Ehrenmitgliedschaft von Radio Jazz Research
Für seine Verdienste, vor allem für die 37. Radio Jazz Research-Tagung in Diersbach, verlieh der Vorstand dem Posaunisten und INNTöne-Festivalmacher Paul Zauner die Ehrenmitgliedschaft von Radio Jazz Research am 06. Juni 2019 in Diersbach.
40. Arbeitstagung in Weimar | September 2021: Tanz – Bewegung – Improvisation
39. Arbeitstagung in Diersbach II | 30. und 31. Juli 2021: Jazz in Europa – Zur aktuellen Situation

39. Arbeitstagung in Diersbach: 30. und 31. Juli 2021
Jazz in Europa – Zur aktuellen Situation
30. Juli 2021
Begrüßung: Bernd Hoffmann, Oliver Weindling und Paul Zauner
Podium 01: Die europäische Perspektive
mit Henning Bolte (Portugal, Griechenland), Urs Röllin (Schweiz), Susanna von Canon (Niederlande), Sebastian Scotney (England), Antoine Bos (Frankreich), Mario Steidl (Österreich).
Moderation: Michael Rüsenberg
Podium 02: Aus dem Jazz-Club ins Internet
Oliver Weindling (Vortex), Kornelia Vossebein (Stadtgarten), Paul Zauner (Jazzclub Passau).
Moderation: Lena Jeckel
Jazz und die Medien: Jazz-Konzerte streamen
Andreas Felber (ORF), Jörg Heyd (WDR), Urs Rölling (Jazzfestival Schaffhausen)
Moderation: Oliver Weindling
Labels und Rundfunk
Joachim Becker (Jazzline), Volker Dueck (Double Moon), Bernd Hoffmann (EX-WDR).
Moderation: Michael Rüsenberg
31. Juli 2021
Untersuchungen zur Situation
Arndt Weidler (Jazzinstitut Darmstadt): Post-Covid und allgemeine Fatigue oder NEUSTART ins New Normal? Die Jazzlandschaft nach der Pandemie.
Anke Steinbeck (Deutscher Musikrat): Eiszeit im Musikleben? Die Studie des Deutschen Musikrates zu den Auswirkungen der Pandemie
Fleurine (BIM, NL): Impact of Covid on Jazzmusicians in Europe [Zoom]
Moderation: Oliver Weindling
Jazzjournalismus in Deutschland.
Aylin Öz: Jazz in den deutschen Medien – Ergebnisse qualitativer Interviews mit Journalisten überregionaler Medienhäuser. Moderation: Michael Rüsenberg
Podium 03: Studieren in Corona Zeiten
Christa Brucker-Haring (Kunst Universität Graz), Thomas Zoller (Hochschule für Musik Carl-Maria-von-Weber Dresden). Moderation: Bernd Hoffmann
Die 39. RJR-Arbeitstagung in Diersbach findet in Zusammenarbeit mit dem INNtöne Jazzfestival statt und wird von Paul Zauner unterstützt.
english version
39th Workshop in Diersbach: 30 and 31 July 2021
Jazz in Europe – The Current Situation
30 July 2021
Opening: Bernd Hoffmann, Oliver Weindling and Paul Zauner
Panel 01: The European Perspective
With Henning Bolte (Portugal, Greece), Urs Röllin (Switzerland), Susanna von Canon (Netherlands), Sebastian Scotney (England), Antoine Bos (France), Mario Steidl (Austria).
Host: Michael Rüsenberg
Panel 02: From the jazz club to the internet
Oliver Weindling (Vortex), Kornelia Vossebein (Stadtgarten), Paul Zauner (Jazzclub Passau)
Host: Lena Jeckel
Jazz and the media: streaming jazz concerts
Andreas Felber (ORF), Jörg Heyd (WDR), Urs Rölling (Jazzfestival Schaffhausen)
Host: Oliver Weindling
Labels and broadcasting
Joachim Becker (Jazzline), Volker Dueck (Double Moon), Bernd Hoffmann (EX-WDR).
Host: Michael Rüsenberg
31 July 2021
Analysis of the situation
Arndt Weidler (Jazzinstitut Darmstadt): Post-Covid and general fatigue or NEW START into the New Normal? The Jazz Landscape after the Pandemic.
Anke Steinbeck (German Music Council): Ice Age in Musical Life? The German Music Council’s study on the effects of the pandemic.
Fleurine (BIM, NL): Impact of Covid on Jazz Musicians in Europe [Zoom].
Host: Oliver Weindling
Jazz Journalism in Germany.
Martin Laurentius: Between Newsworthiness and Mainstreamisation
Aylin Öz: Jazz in the German Media – Results of Qualitative Interviews with Journalists of National Media Houses.
Host: Michael Rüsenberg
Panel 03: Studying in Corona Times
Christa Brucker-Haring (Graz University of Art), Thomas Zoller (Carl-Maria-von-Weber Dresden University of Music). Host: Bernd Hoffmann
The 39th RJR working conference in Diersbach takes place in cooperation with the INNtöne Jazzfestival and is supported by Paul Zauner.
38. Arbeitstagung in Remagen – «Wildcard»| 30. und 31. Oktober 2019
Tagungsprogramm
Mittwoch, 30.10.2019: 14.45 Uhr – 18.30 Uhr
14:30 Uhr Ankunft
14:45 Uhr Begrüßung durch Dr. Bernd Hoffmann, Vorsitzender Radio Jazz Research
15:00 Uhr Sebastian Scotney:
“Lost in Translation” – A cross-cultural multi-lingual perspective on how we write about music.
Dieser Vortrag basiert auf Scotneys Erfahrung, Texte über Jazz aus dem Deutschen, Französischen und Niederländischen ins Englische zu übersetzen. Ihm sind dabei immer wieder einige soziale und kulturelle Unterschiede aufgefallen. In diesem Vortrag stellt er dar, wie Menschen in verschiedenen europäischen Ländern Musik kommentieren und erklären.
15:30 Uhr Diskussion
15:45 Uhr Pause
16:00 Uhr Rainer Dollase: Warum gibt es so wenige Frauen im Jazz – und so viele in der Medizin?
16:30 Uhr Diskussion
16:45 Uhr Pause
17:30 Uhr Abendessen
19:00 Uhr Oliver Weindling im Gespräch mit Tina Heine, Christina Fuchs und Anke Steinbeck: Fortschritte – Rückschritte. Perspektiven im deutschen Jazz (Revisited)
Wenn nun unter dem Dach von Radio Jazz Research erneut eine Gesprächsrunde zum Titel „Fortschritte – Rückschritte. Perspektiven im deutschen Jazz“ geführt wird, geht es auch um eine aktualisierte Sicht auf nachhaltige Problemlagen. In diesem zweiten Panel zum Thema bringt Oliver Weindling drei weitere Protagonistinnen des aktuellen Jazzgeschehens in Deutschland (und des angrenzenden Österreich) ins Gespräch.
Donnerstag, 31.10.2019: 10.00 Uhr – 13.00 Uhr
10:00 Uhr Stefan Hentz / Martin Laurentius: Riffs und Zeichen: Texte zu Jazz und anderer Musik
Stefan Hentz und Martin Laurentius gehen neue Wege zum Publizieren von Konzert- und Festivalkritiken.
10:30 Uhr Diskussion
10:45 Uhr Pause
11:00 Uhr Thomas Olender: Der Crossover in den Billboard-Charts der 1950er Jahre
Das Billboard-Magazin unterteilte die Jahresendcharts in den 1950er Jahren in drei unterschiedliche Hitlisten (Pop, Country und R&B). Obwohl der Jazz dort keine explizite Nennung erhielt, findet sich diese improvisierte Musik in zahlreichen anderen Stilistiken und Genres.
11:30 Uhr Diskussion
11:45 Uhr Pause
12:00 Uhr Michael Rüsenberg: „Jazz ist stets politisch“. Stimmt diese Aussage von Mark Turner? Und, hört man sie in seiner Musik?
Im November 2016 (Donald Trump ist gerade gewählt), vermutet der amerikanische Saxophonist Mark Turner im Gespräch mit der NZZ, «dass es wieder zu einer Politisierung der Kunst kommen wird.» Das ist eine Überzeugung, die wie unter einem Brennglas den zentralen Inhalt des Politikverständisses weiter Teile der Jazzszene wiedergibt (s. Titel). «Allein schon der Entscheid, als Jazzmusiker zu leben, ist ein politisches Statement. Denn man entscheidet sich damit für Freiheit, für Emanzipation und gegen den Primat des materiellen Erfolgs“ (Turner)
Michael Rüsenberg unterzieht diese Position einer grundsätzlichen Kritik.
12:30 Uhr Diskussion
13:00 Uhr Mittagessen
37. Arbeitstagung in Diersbach | 06. und 07. Juni 2019: Festivals
„Festivals – Konzepte, Profile, Schräglagen“
Mittwoch, 05.06.2019: 20:00 Uhr
20:00 Uhr Empfang auf dem Festival-Bauernhof
Donnerstag, 06.06.2019: 14:45 Uhr – 19:00 Uhr
14:45 Uhr Ankunft
15:00 Uhr Begrüßung durch Paul Zauner, INNTöne-Festival, und Dr. Bernd Hoffmann, Vorsitzender Radio Jazz Research
15:15 Uhr Der Jazz und sein Publikum. Aktuelle und historische Untersuchungen zu Festival-Besuchen
Lena Verneuer, Fritz Schmücker und Michael Rüsenberg
16:15 Uhr Diskussion
16:30 Uhr Pause
16:45 Uhr Neue Räume, Formate und Konzepte. Gedanken zum Jazz-Festivalbetrieb der Gegenwart
Anke Steinbeck
17:15 Uhr Diskussion
17:30 Uhr Pause
17:45 Uhr Standpunkt: Arne Schumacher im Gespräch mit Festivalmacher Reiner Michalke
18:30 Uhr Diskussion
19:00 Uhr Abendessen
Freitag, 07.06.2019: 10:00 Uhr – 13:00 Uhr
10:00 Uhr Der Jazz und seine Festivals. Eine Diskussion mit Dan Ouellette (Jazzkritiker, Downbeat, Chicago), Tim Dickeson (Jazz Photographer, Jazzwise) und Klaus Widmann (Präsident und künstlerische Leiter, Südtirol Jazzfestival AltoAdige, Bozen)
Moderation: Arne Schumacher (Radio Bremen)
11:00 Uhr Diskussion
11:15 Uhr Pause
11:30 Uhr „Wir senden live von den INNTönen“ – Jazzfestivals und die Medien
Bernd Hoffmann
12:00 Uhr Diskussion
12:15 Uhr Pause
12:30 Uhr Vorstellung des Festivals INNTöne
Paul Zauner im Gespräch mit Oliver Weindling
13:00 Uhr Mittagessen (Selbstzahler)
Foto: Kath. Pfarrkirche hl. Martin in Diersbach; von Peter Lauppert – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=42859127
Michael Rüsenberg im Gespräch mit Prof. Dr. André Doehring (Pop Weiter Denken)

RJR-Mitglied Michael Rüsenberg spricht anlässlich der Veröffentlichung des Bandes «Pop Weiter Denken» mit André Doehring (Kunst Uni Graz) über das Verhältnis von Pop- und Jazzforschung. Doehring ist in beiden Forschungsbereichen aktiv und kann daher fundierte Urteile zu den Verbindungen treffen.
36. Arbeitstagung in Münster | 03. und 04. Januar 2019: Labels im Jazz – Vergangenheit und Zukunft
Tagungsprogramm
Donnerstag, 03.01.2019: 14.30 Uhr – 21.00 Uhr
14:30 Uhr Ankunft
14:45 Uhr Begrüßung durch Fritz Schmücker, Stadt Münster, und Dr. Bernd Hoffmann, Vorsitzender Radio Jazz Research
15:00 Uhr Michael Rüsenberg:
„Die 10. Sinfonie von Beethoven“[1] – Zur internationalen Rezeption von John Coltranes The Lost Album
15:30 Uhr Diskussion
15:45 Uhr Pause
16:00 Uhr Label-Talk 01:
Arne Schumacher im Gespräch: Pianist Pablo Held und Labelchef Dave Stapleton (Edition Records)
16:30 Uhr Diskussion
16:45 Uhr Pause
17:00 Uhr Iwan Wopereis:
What Experts think of Improvisation – a survey among RJR Members
17:30 Uhr Diskussion
18:00 Uhr Abendessen
20:00 Uhr Mitgliederversammlung
Freitag, 04.01.2019: 09.30 Uhr – 13.00 Uhr
09:30 Uhr Label-Talk 02: Babel, Pao und Traumton
Mit Oliver Weindling, Paul Zauner und Stefanie Marcus
10:00 Uhr Diskussion
10:15 Uhr Pause
10:30 Uhr „Was können Labels heute leisten?“
Arne Schumacher im Gespräch: Astrid Kieselbach (Universal), Stefanie Marcus (Traumton), Tobias Hoffmann (Klaeng Records)
11:00 Uhr Diskussion
11:15 Uhr Pause
11:35 Uhr Götz Bühler:
Musikmarkt 4.0 – Was bringt die digitale Evolution für den Jazz?
12:00 Uhr Christian Rentsch:
Verändert der digitale Vertrieb den Jazz?
12:30 Uhr Diskussion
13:30 Uhr Mittagessen (Selbstzahler)
[1] SZ vom 9./10. Juni 2019
Foto: Das fürstbischöfliche Schloss, Sitz und Wahrzeichen der Westfälischen Wilhelms-Universität; von Dietmar Rabich, CC-BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=35094633
ZWISCHEN OPTIMISMUS UND DYSTOPIA – LABELS IM DIGITALEN ZEITALTER
Ein Tagungsbericht von Stefan Hentz
„Labels im Jazz – Vergangenheit und Zukunft“ – die 36. Arbeitstagung von Radio Jazz Research am 3. und 4. Januar 2019 in Münster
Lange Zeit prägten sie als Gatekeeper das jeweils aktuelle Gesicht des sich entfaltenden Jazz. Labels waren das Warenzeichen, das einen verlässlichen Geschmack, eine verlässliche Qualität verbürgten, und zugleich standen sie für den Willen zur Dauer, für die Entschlossenheit, über tagesaktuelle Hits und Trends hinaus ein mehr oder weniger breit gefächertes Labelprogramm aufzubauen und der – durchaus auch ökonomischen – Kraft dies auch zu tun. Geführt von leidenschaftlichen Gründern und Eigentümern (oder manchmal auch angestelltem Leitungspersonal) bieten Labels den Musikern ihres Vertrauens die Möglichkeit, ihre Pläne zu verwirklichen und ihre Musik zu veröffentlichen. Labels unterstützen bei der Realisierung dieser Pläne und bei der Entwicklung von Strategien das vorliegende Produkt zu den Interessenten, zu Hörern und Multiplikatoren zu bringen, helfen, kommerzielle Misserfolge zu verdauen und setzen mit ihrer Auswahl dessen, was sie fördern, bis heute die Standards dessen, was hip und heiß ist im Jazz. Manche Phasen und stilistische Zweige der Jazzgeschichte sind so eng mit der Arbeit bestimmter Labels verknüpft, dass der Labelname fast schon zum Synonym für bestimmte Klangvorstellungen geworden sind: Blue Note oder Prestige, Impulse oder ESP, Intakt oder FMP oder ECM – die Liste bleibt offen.
Mit dem Prozess der fortschreitenden Konzentration der Musikindustrie, tritt allerdings die Bedeutung der Labels, von denen viele mittlerweile als Untereinheiten der großen Unternehmen nur noch wenig mehr behalten haben als den vertrauten Namen, etwas zurück, und während im Wandel der Speicher- und Abspieltechnologien das Handelsgut der Labels, die Musikaufnahme, auf immer wieder neuen Tonträgern vertrieben wird, stellt sich nach der Schallplatte (in Schellack und später Vinyl), der digitalen Speicherung auf CD, dem Verzicht auf einen physischen Tonträger im Downloading nun mit der Durchsetzung der Streamingtechnologie für Labels die Existenzfrage verschärft neu. Streaminganbieter wie Spotify, Deezer, Apple, Amazon, usw. halten ein riesiges Repertoire an Musikstücken vieler stilistischen Richtungen vor, und „intelligente“, „lernfähige“ Algorithmen werfen Playlists aus und Empfehlungslisten, die sich aus Daten über die Nutzungspräferenzen ableiten. Im Zeitalter der Digitalisierung scheint es nur noch für die ganz wenigen Hitproduzenten unter den Musikern möglich, mit dem Verkauf ihrer Musik das angestrebte „gute“ Leben zu erwirtschaften. Grund genug also für RadioJazzResearch seine 36. Arbeitstagung am 3. und 4. Januar 2019 in Münster mit dem Thema „Labels im Jazz – Vergangenheit und Zukunft“ zu überschreiben und sich in einer Reihe von Gesprächsrunden mit Vertretern sehr verschiedenartiger gegenwärtiger Labels, großer wie kleiner, alteingesessener und noch recht junger, mainstreamorientierter wie sehr zugespitzt künstlerisch konturierter Labels entschlossen sehr verschieden gepolten Blicken nach vorne zu widmen.
Den Auftakt bestritt Michael Rüsenberg mit „Die 10. Sinfonie von Beethoven“ – seiner medienkritischen Betrachtung der internationalen Rezeption von John Coltranes Album „Both Directions at Once: The Lost Album“, einer Zusammenstellung von sieben bisher unveröffentlichten und lange Zeit in Vergessenheit geratenen Aufnahmen des klassischen John Coltrane Quartet aus dem März 1963, die nie als Album gedacht waren und schon deshalb nicht als solches „lost“ sein konnten, und im vergangenen Jahr mit 22000 verkauften Exemplaren allein in Deutschland zu einem der größten Verkaufserfolge im Bereich Jazz wurde. Erstaunlich, was Journalisten sich so ausdenken. Für das Tagungsthema relevanter war jedoch der Hinweis von Astrid Kieselbach, die in Deutschland die Jazz-Abteilung von Universal, neben Sony, Warner und BMG des vierten der großen Player der Musikindustrie leitet, dass sich bei einem solchen Klassiker des Genres der Verkaufserfolg ganz ohne aufwändige Marketing- und Pressearbeit einstellt. Eine Veröffentlichung von John Coltrane wird einfach unbesehen gekauft, 22.000 mal, damit habe Universal, so Kieselbach sinngemäß, alle potentiellen Interessenten in Deutschland erreicht.
In mehreren Podiumsgespräche mit den Musikern (und Betreibern des musikergeführten Kölner Labels KLAENG) Pablo Held und Tobias Hoffmann, mit dem Posaunisten, Konzert- und Festivalveranstalter und Labeleigner Paul Zauner von PAO Records, den beiden britischen Labelchefs Oliver Weindling, der sein Label Babel Records als Ableger, Satelliten und gerne auch Schwungrad seines Londoner Clubs The Vortex betreibt und Dave Stapleton von dem ebenso jungen wie dynamischen britischen Label Edition Records, wo im vergangenen Jahr auch das Pablo Held Trio sein jüngstes Album „Investigations“ veröffentlichte, sowie mit Stefanie Marcus, die als branchenfremde Enthusiastin 1992 in Berlin ihr Label Traumton gründete, das sie seitdem mit außerordentlichem musikalischem Gespür und viel Geschick leitet, verdeutlicht Arne Schumacher als Moderator den zupackenden Zukunftsoptimismus der sehr verschiedenen Labelvertreter, die auf verschiedenen Wegen versuchen, sich von der allgemeinen Krise der Musikindustrie abzukoppeln. Noch gibt es Bewegungsspielräume, wer geschickt und wach auf die Veränderungen des Business reagiert, kann noch sehr viel ermöglichen und erreichen. Der finale Abgesang auf die sortierende und ermöglichende Funktion der Labels, scheint noch nicht gesungen.
Mit diesem Befund neigte sich die Tagung ihrer Coda entgegen, einer spekulativen „kleinen Polemik“ von Christian Rentsch über die Wirkung, die die veränderten Hörpraktiken im Zeitalter von digitalen Downloads und Streaming auf die Produktion von Jazz und improvisierter Musik haben: „Spotify Kills The CD Stars“. Ausgehend von der musikwissenschaftlich untermauerten Beobachtung, dass sich im Bereich Pop bereits massive Verschiebungen in der Architektur von Popsongs ergeben haben, dass Intros immer kürzer werden, Hooklines immer früher in der Struktur aufscheinen, folgert Rentsch, dass über kurz oder lang, bewusst oder intuitiv, auch Jazzmusiker zunehmend dazu übergehen werden, ihre Musik entlang von formalen Tricks, die stärker vom Gesichtspunkt der Verkäuflichkeit geprägt sind als von ästhetischer Schlüssigkeit, zu strukturieren. Schließlich sind sie Teilnehmer in einer marktwirtschaftlich organisierten Konkurrenz um die knappen Ressourcen Aufmerksamkeit und Erfolg. Angesichts der Tendenz des algorithmisch geprägten Angebotsmanagements der Streamingplattformen, zur Steigerung der Zielgenauigkeit der Angebote und Vorschlagslisten die Komplexität der Algorithmen immer weiter zu steigern, sieht Rentsch eine Zeit heraufziehen, in der die technischen Algorithmen der Streamingindustrie selbst die Rolle der Labels übernimmt und immer stärker in den Produktionsbereich eingreifen, bis sie schließlich den Musikern sagen, was sie wie, welche Melodie über welche Harmoniefolgen in welchen Tempi und Rhythmen veröffentlichungswürdig (weil nachgewiesenermaßen klickträchtig) sind. Mit dieser dystopischen Vision einer totalen digitalen Mediendemokratie, setzte Rentsch einen dunklen Kontrast, der dem plietschfidelen Optimismus der agierenden Labelmacher erst die nötige Farbtiefe verlieh.